Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 9 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL 143 letzten verstorbenen Trägern dieses Namens in Frankfurt a. M. zu, der: Baronen Meyer Karl und Willy. Es war stadtbekannt, daß die Brüder auf gespanntestem Fuße miteinander lebten und sich allerlei Nadelstiche zu versetzen pflegten. Eines TWes ging ein Angestellter des Hauses, der von Meyer Karl lebhaft protegiert und sogar in seine Gesellschaft gezogen worden war, mit einigen hunderttausend Mark durch, worüber Willy eine diebische Freude empfand. „Ich muß doch meinem-Bruder ein Vergnügen bereiten!" sagte er und telegraphierte ihm sofort in die Sommerfrische: „Dein Schützling ist mit 200 000 Mark durchgegangen. Was tam?_ — Willy." „Lassen laufe!" depeschierte Meyer Karl alsbald im schönsten Frankfurter Dialekt zurück. Und man ließ den Herrn auch laufen. Das Laufenlassen der Diebe ist tatsächlich im Frankfurter Hause Rothschild Tradition -gewesen und nur einmal unterbrach es diese Gepflogenheit, als es sich um den Kassierer Jäger handelte. Nahezu zwei Millionen Mark nahm derselbe mit auf die Reise. Baron Willy gab höchst widerwillig die Erlaubnis zur Verfolgung, aber er sah ein, daß endlich einmal ein Exempel statuiert werden müsse. Das geschah denn auch. Jäger erhielt zehn Jahre Gefängnis und starb in der Strafanstalt Preungesheim. Mit dem Tode des Barons Willy erlosch das Haus Rothschild in Frankfurt a. M., wodurch die Stadt eine außerordentlich hohe Steuersumme einbüßte. Diese Einbuße machte sich insofern bei der Bürgerschaft geltend, als sie mit die Ursache wurde, daß nun die anderen Bürger mehr Steuern zahlen mußten, um den Verlust wett zu machen. Aber vergessen wird Frankfurt seine Rothschilds wohl nie.