Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 8 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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*FT« v? JUNG ISRAEL 119 Dolä>e GJebonfeii halt' ich auch gestern . . . als ich Plötzlich ein Weinen, hör', ein stilles, trauriges Weinen . . . ein süßes und trauriges, ein so herziges . . . Wenn du auf dem Piano spielst, bringst dn manchmal so ein Weinen hermls . . . lliiü ich glaubte, Mamyschi, --- um die Wahrheit 31t sagen, ich wollte nur so glauben, ich habe mich eigens nicht nmgeschant, um länger so glauben zu können, — daß es ans der Schul' heraus weint und summt . . . daß dort drinnen, in einen bläulichen Nebel gehüllt, die Seele der armen Schul' sißt und suiumt . . . Sie klagt, lveil die Sonne sie zurücksetzt, ganze Bändel Lichts aus das Kirchen dach wirft und ihr einen Strahl kargt . . . ihr am schönen, bellen Tag als Almosen einen blassen Strahl binwirst, der über sie hin-- schleicht und wie verschämt sich bald von ihr wegstiehlt! . . . Aber es war nicht die Schul' ... Ein kleines Mädchen war es. — Es lag ans dem Boden, suchte etwas und weinte . . . Als ich mich nmblickte, sah ich nur sein altes, abgetragenes >lleid wie einen dunkelgrauen Fleck auf dem gelben Sande . . . ein Paar ausgetretener Schuhe- Noch etwas sah ich —- Mamyschi . . . ich schäm' mich . . . es wird mir so warm. — '-tell' dir eine Flut roter, rotflammender Haare vor . . . Funken sprühten sie ... „Warum weinst du, mein .Lind, was suchst du im Sand?" Tie Mutter hatte ihr ein Zehnerstück gegeben, um etwas dafür?u kaufen. Ta ging femand vorüber und schlug es ihr aus der Hand, es siel ans den Boden . . . deshalb weint sie. Wenir ich, ich weiß nicht, was verlöre, so müßte ich nicht weinen ... Fch frage sie: „Einen großen Zehner'oder ein kleines Zehnerstück?" „Ein weißes!" — antwortet sie und sieht sich nicht einmal nach mir um. „Ich werd' dir suchen Helsen," sage ich. Ich beuge mich nieder, stelle mich suchend und finde ihr ein weißes Zebnerstück. „Ta!"