Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 8 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNü ISRAEL 115 Meinst vielleicht, ich Hab' den Pater weniger lieb. Behüte Gott! 'sd' bab' ihn sehr lieb, jeden Tag lieber . . . Wenn er ans mich zngeht, klopft mir tm* Herz vor Freude und ich zittere: Jetzt gleich wird er mich bei der Hano nehmen, an sein Herz drücken . . . Bei dir zittere ich nicht . . . Du l)ast mich immer gleich lieb . . . hack immer Zeit für mich . . . halfest nnd küssest mich jeden Augenblick . . . du bist immer, immer mein . . . Ter Pater aber hat so viel Geschäfte . . . Ick) weiß schon, er will, daß ich einnial reich werde . . . Mamyschi, du bist schon ans mein Geheimnis neugierig, nicht wahr? . . . Ach, ich schäme mich so. Bor einer Mritter, sagst du, soll man sich nicht schämen? Du hast recht . . . dock) . . . Weißt du tvas, Mamyschi, setz' dich da auf den Dlnhl am Fenster ... So ist es gut! Ach, wie schön die Sonne untergeht, wie schön sich ihre nebelroten strahlen ans deinem blassen Gesichte ausbreiten — Mamyschi, wie schön, wie edel schön bist du! Wart' ... ich iverd' mich dir zu Füßen setzen . . . Schau mir aber beim Erzählen mcf)t ins Gesicht . . . Ich null ans dem Schemel sitzen und zum Fenster hinaussehen ... Doch nein! . . . Ich schäm' mich vor der Sonne . . . Siehst du, bei Tag brennt sie so heiß, und abends nimnit sie so traurigen Abschied von uns, daß ich mich vor ihr schäme, von mir zu reden . . . Ich will meinen 5iops aus deinen Schoß legen . . . und die Augen schließen, und du . . . du leg' deine.Hand aus meine Stirne. Bin ich dir nicht zu schwer, Mamyschi? Nein? . . . Sechzehn Jahre ist dein Junge schon alt und l)at noch so ein kleines, leichtes Köpfchen. Bin ich doch irn ganzen so . . . Tensz' nicht, Mamyscha! Gott hat mich nicht 31t kurz kommen ü'iüni. Er lxU mir wenig Fleisch, dafür aber viel andres Gute gegeben . . . Dich, den Pater . . . Tage und Nächte mit wunderbaren ^räumen . . . und heute . . . mein Geheimnis . . . ’^o, setzt seh' ich nichts . . . Mit geschlossenen Augen werd' ich's vielleicht doch erzählen können . . . Ich will versuchen . . . Ach, es ist so schwer . . .