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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 7 (1905) · p. Seite 101

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
7 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 101 (sequence 11)
Language
German
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JUNG ISRAEL 101 Warum wurde ein h albe r und nicht eiu ganzer Schekel festgesetzt? Das muß doch eineu G r u n d haben! Nun, so höret ihn. Wir Menschen sind unvollkommene Geschöpfe. Wir mögen uns noch so große Miihe geben, etwas Vollendetes, etn*as Ganzes bringen wir allein nie zu stände. Und wenn es u n s selbst als etwas Großes und Abgeschlossenes erscheint, so bleibt es doch im Verhältnis zu Gottes Größe und Vollkonnnenheit, immer nur ein Bruchteil — etwas Halbes. Ta wird nun mancher denken: „Wenn ich nun trotz meines guten Willens und meines Fleißes nur Unvollkommenes leisten kann, dann brauche ich mir erst keine Mühe zu geben. Mein Ziel erreiche ich ja doch nicht oder in anderer Weise, als es mir vorschwebt. Ta will ich lieber gar nichts tun und alles anderen überlassen." Aber gerade dem, der so denkt, ruft das Gesetz zu: „Du bist im Irrtum. Jeder m u ß seine Schuldigkeit tun, jeder ohne Ausnahme. Ter Reiche darf nicht mehr geben, er soll nicht seinen Reichtum zeigen und damit Prahlen. Er darf den Armen nicht beschämen. Vor Gott gilt reich und arm nicht, vor ihm sind a l l e g l e i ch. Ter Arme m u ß auch sein Teil beisteuern. Er soll ja nicht sagen: „Mir fällt es schwer, zu spenden, darum will ich lieber gar nichts geben. Ich will es den Reichen überlassen, Geschenke zu entriditcn, dadurch ist dem Heiligtuin mehr gedient, als durch meine geringe Gabe." „Nein," sagt die Thora, „du denkst falsch. Tu hast das Recht, du hast sogar die Pflicht,, genau so wie der Reiche, dein Scherf lein zur Erhaltung des Heiligtums beizukragen. Gott verlangt nur von allen, was sie leisten können. Nicht darauf kommt es Gott an, ob jemand reich oder arm, angesehen oder niedrig ist; sondern ob man f r o m m und gut, fleißig und p f l i ch t t r e it, wahrheitsliebend und geho r s a m ist. Und diese Forderungen Gottes kann und soll jeder erfiillen. Unsere alten Weise driicken das in einem schönen Gleichnis aus. Sie erzählen: „Ein König hatte in seinem herrlichen Garten einen Graben, der so tief war, daß man nicht bis auf den Grund sehen konnte. Ter Graben sollte nun zugeschiittet werden und zu diesem Zweck wurden

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