Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 6 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9620171-9626617-9622704--1493-9622716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
90 JUNG ISRAEL. Ländern viel weniger Juden leben. Zum Beispiel haben Italien, Spanien, Portugal und Griechenland zusammengenommen viel weniger Juden; man kann sogar noch Schweden, Norwegen und Dänemark dazu rechnen, und es werden immer noch mehr Juden in Palästina sein als in allen diesen Ländern zusammengerechnet. (Später wollen wir euch einmal mehr davon erzählen, wieviel Juden in den einzelnen Ländern unserer Erde leben, denn, so gut wie ihr in der Schule zu lernen habt, wieviel Einwohner die Länder und Städte im ganzen haben, so solltet ihr als jüdische Kinder auch wissen, wieviel Juden es dort gibt. Aber heute wollen wir nur von den Juden in Palästina sprechen). Also es gibt recht viele Juden in Palästina, und die meisten von ihnen sind erst in der neuesten Zeit eingewandert. Die Mehrzahl derer, die schon vorher dagewesen waren, das sind „sephardische" Juden, das heißt solche, deren Voreltern früher schon viele Hunderte Jahre im Orient gelebt hatten und solche, die vor etwa 400 Jahren nach der Türkei geflüchtet waren, als man sie aus Spanien und Portugal vertrieben hatte. Die „sephardischen" Inden, die aus Spanien und Portugal kamen, nennt man auch Spaniolen, und sie sprechen bis aus den heutigen Tag noch eine Art Spanisch, so ähnlich wie man zur Zeit, als sie noch in Spanien lebten, dort gesprochen hat. Natürlich sind viele Worte dazu gekommen, die ein Spanier in Spanien heute nicht verstehen würde, aber die heutigen Spanier würden auch manche Worte nicht mehr verstehen, die man in Spanien selbst vor vier oder mehr Jahrhunderten gebraucht hat. Die eingewanderten Juden stammen meistens aus Rußland, Rumänien und aus Österreich-Ungarn. Aber es sind auch welche dort aus Deutschland, England, Frankreich und aus anderen westlichen Ländern. Diese nennt man, zum Unterschied von den Sephardim, aschkenasische Juden oder Aschkenasim. Die Sephardim tragen meistens orientalische Kleidung, und wenn sie europäisch gekleidet gehen, tragen sie wenigstens als Kopfbedeckung meist den türkischen Fez, eine Art rote Mütze, deren Form etwa so ist, wie ein oben flacher Hut, an dem die Krempe ganz fehlt. Die Aschkenasim gehen so gekleidet, wie sie es zuhause gewohnt waren, gleichviel, ob sie früher in Rußland auf dem Lande lebten oder in Deutschland in einer Stadt. Ungefähr die Hälfte aller Juden Palästinas lebt in Jerusalem. Diese Stadt ist durch die jüdische Einwanderung in den letzten 30 Jahren