Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 6 (1905) · p. Seite 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
6 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 88 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/9620171-9626617-9622704--1491-9622714
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

88 JUNG ISRAEL Synagoge, um sich mit dem Studium der Mischna und des Talmuds wahrend drei Stunden zu beschäftigen; dann geht man Kranke besuchen und Almosen nach Kräften verteilen. Die Leute hier sind sehr wohltätig, obzwar sie selber arm sind und von Almosen leben; möge Gott sich unser erbarmen und unsere Speicher und unsere Geschäfte segnen. Hier in Jerusalem ist es sehr schwer, sein Leben herauszubringen; wenn man noch ein Handwerker, als: Goldarbeiter, Schmied, Weber oder Schneider ist, so gewinnt man kaum so viel, wie man zu leben nötig hat; in Damaskus, Cairo, Alexandrien, Aleppo und überhaupt in dieser ganzen Gegend, erübrigen die Juden so viel sie nur wollen, und besonders die nebst unserer Sprache auch arabisch sprechen; hier hingegen kann höchstens der Goldarbeiter sein Leben herausbringen; jedoch ist alles hier sehr wohlfeil, und nach meiner Meinung kann ein Mann mit 10 Ducaten jährlich sein Leben fristen. Die Häuser in Jerusalem sind aus Steinblöcken, und sie haben nicht mehrere Stocklverke, wie bei euch; sie haben auch kein Gebälk, und überhaupt bemerkt man kein Holz an denselben. Letzteres ist hier sehr teuer und wird in den Läden nach dem Gewicht verkauft; deshalb glaube ich, bringt man keine Stockwerke hier an. In jedem Hause hier sind 5 bis 6 Zimmer, alle aus Ziegeln gemacht; auch gibt es keine Brunnen mit Quellwasser, sondern in jedem Hofe befindet sich eine Zisterne, die sich mit Regenwasser füllt. Wenn der Regen kurz anhält, so gibt es wenig Wasser in diesen Zisternen, und da kommt es oft vor, daß die Araber über uns herfallen, um uns unsern Wein auszugießen und die Fässer zu zerbrechen, denn sie behaupten, daß durch die Sünde des Weintrinkens es nicht regnet. Manchmal gibt es nahe an der Stadt Wasser, das von einer Quelle aus Hebron herkommt, aber immer nur in kleiner Menge, und im Sommer ist es gar nicht vorhanden. Die Mühlen werden hier mittelst Tiere getrieben, da kein Wasser vorhanden ist, wie bei euch, um diese zu treiben. Rahe an der Synagoge, in der Mitte der Stadt, gibt es einen leeren Raum, wohin die ganze Gemeinde sich begibt, um da nach der Richtung des Tempels, der von diesem leeren Platze gesehen wird, abermals zu beten; hier nahe ist ein Gebäude, das das Studierhaus des Königs Salomo genannt wird, wo aber nur Araber eintreten dürfen. Ich hörte erzählen, daß es aus prächtigen weißen Steinen, die rein an Farbe wie der Himmel sind, zusammengesetzt, und von einem goldenen Dache, von Künstlerhand gearbeitet, bedeckt ist. Das Innere des Gebäudes soll außerordentlich elegant sein. Die Araber versammeln sich jeden Freitag zum Gebete, das ungefähr eine halbe Stunde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.