Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 6 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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82 JUNG ISRAEL. Wer alte Katomon. (Fortsetzung und Schluß.) Als der Fürstin ein Knabe geboren wurde, war es ihr eifrigstes Bemühen, diesem den Thron zu sichern. Sie ließ deshalb kein Mittel unversucht, den Prinzen Karl zu verderben. Zunächst trachtete sie darnach, ihn auf den Weg des Lasters zu bringen, damit er der Thronfolge unwürdig werde. Allein diese Absicht mißlang, denn der Prinz ging allen Versuchungen und Verlockungen aus dem Wege. Das Vorbild seiner verstorbenen Mutter hatte sich zu tief in sein Herz eingegraben, als daß er den Weg der Tugend und des Rechts jemals verlassen könnte. Nunmehr versuchte die Fürstin, Zwietracht zwischen Vater und Sohn zu säen. Mit allen Mitteln der Hinterlist und Tücke verfolgte sie dieses Ziel. In geschickter Weise verstand sie, Mißverständnisse zwischen beiden anzuspinnen und ihre Aufklärung zu verhindern. Die gegenseitige innige Liebe wurde durch Verleumdung untergraben, und das bisher so zärtliche Verhältnis machte der Abneigung Platz, die sich so weit steigerte, daß der junge Prinz seinem Vater die schuldige Achtung versagte. Bei Hofe war aber niemand, der das zwischen Vater und Sohn getrübte Verhältnis aufzuhellen bemüht war; die Fürstin hatte es meisterhaft verstanden, die Höflinge für sich und ihre Absicht zu gewinnen. Prinz Karl hatte alle gegen sich; nur ein Gespiele seines Knabenalters, ein verarmter Edelmann, schien ihm eine freundschaftliche Gesinnung zu bewahren. Und je mehr der Prinz sich vereinsamt fühlte, desto mehr vertraute er sich seinem Freunde Franz. Ach, das Bedürfnis nach jemand, dem man sich hingeben kann, ist niemals so groß und schmerzlich, als wenn man sich von Mißgunst und Gefahr umgeben weiß. Als der Prinz in das heiratsfähige Alter getreten war, schien der Wunsch der Fürstin, ihren Stiefsohn der Thronfolge zu berauben, sich erfüllen zu wollen. Er weigerte sich nämlich, eine Gattin aus den Händen der Eltern entgegenzunehmen, er wollte vielmehr dem Zuge seines eigenen Herzens folgen. Das mußte zum endgiltigen Bruch zwischen Vater und Sohn führen. Doch der Prinz wollte lieber dem Throne entsagen, als sich eine unerträgliche Fessel auferlegen lassen. Er entwarf deshalb mit seinem Freunde Franz den Plan einer schleunigen Flucht. Schon am folgenden Tage sollte der Plan ausgeführt werden. Franz war nach einem Städtchen vorausgeschickt worden, um alles für die schnellste Flucht bereit zu halten. Am frühen Morgen sollte der Prinz allein, ohne jede Begleitung, wie zu einem Morgenritt sich entfernen und nach dem