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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 5 (1905) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
5 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 79 (sequence 17)
Language
German
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JUNG ISRAEL. 79 sagte er zögernd, „wo ist Dein Feiertagsrock? Beim Examen hattest Du doch einen ganz guten Rock an." Der Gefragte wurde dunkelrot. „Ich will es Dir sagen, obgleich Mutter und ich nicht davon reden wollten. Er ist beim Pfandleiher. Wir mußten die Miete zahlen und hatten nur wenig Geld — zwei Mark fehlten noch daran — da sagte ich: Mutter, bis zum nächsten April, wo wieder Prüfung ist, hat uns der liebe Gott vielleicht Geld gegeben, um den Rock wieder auszulöseiü, und so trug sie ihn ins Pfandhaus und bekam das fehlende Geld. Wer konnte auch wissen, daß der Kaiser Herkommen und ich meinen Rock so notwendig brauchen würde!" Rudolfs Herz klopfte laut und unruhig. Seine Hand zuckte. Ein Blick flog hinüber zu den Jahrmarktbuden, ein anderer streifte das traurige Gesicht des Kameraden; dann plötzlich war der Kampf vorüber, und sein Antlitz strahlte hell und freundlich. „Hier sind zwei Mark, Willy, ich sollte mir eine Freude damit machen, sagte meine Mutter. Die beste Freude ist, Dich morgen bei uns zu sehen. Lauf schnell und löse Deinen Rock ein. Aber daß Du morgen tüchtig mitschreist und ein glückliches Gesicht machst, wenn der Kaiser kommt, das sage ich Dir!" Ob Willy tüchtig Hurrah schrie? Ich glaube es gewiß. -=- AUS ALLER WELT. -=- Über sehr interessante Ausgrabungsfunde in Palästina durch Prof. Sellin wird beichtet: „Neben allerlei anderen wichtigen Gegenständen wurden jetzt auch vier Keilschrifttexte gefunden, die aus der Zeit der El-Amarna-Briefe herstammen. Es sind zwei Briefe und zwei Personenverzeichnisse. Beide Briefe sind an den Fürsten Taanak gerichtet; ihre Absender sind ebenfalls kanaanäische Fürsten. Dieser Umstand bestätigt, daß man in Palästina um 1400 v. der gew. Z. nicht nur mit Pharao, sondern auch untereinander babylonisch korrespondierte. Der erste Brief handelt über eine Geldangelegenheit und über die Aufnahme einer Tochter des Fürsten von Taanak in das Frauenhaus Pharaos. Der zweite Brief ist ohne Zweifel der wertvollste der vier. Der Name des Absenders dieses stark kanaanisierenden Briefes, Ahi-Ja-wi (mi) scheint den Namen Jahves zu enthalten. Interessant ist, daß Ahi-Jawi seinen Gott allgemein bel ilami, „der Herr der Götter", nennt, die leider beschädigte Stelle, in der er von ihm spricht, erinnert stark an die alttestamentliche Ausdrucksweise und läßt vielfach vermuten, daß der Gott Ahi-Jawis einige charakteristische Merkmale des alttestamentlichen Jahve trug. Aus dem weiteren Inhalt dieses Briefes geht hervor, daß der Fürst von Taanak von Feinden hart bedrängt wurde. Diese haben sich seiner Dörfer bemächtigt, „es gab Weinen" in seinem kleinen Reiche. Von Interesse sind auch die beiden, aller-

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