Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 4 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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60 JUNO ISRAEL. falls mit aller Strenge gehandhabt werden müssen, damit das Böse ausgerottet oder doch wenigstens eingeschränkt werde. Das räuberische Volk der Amalekiten ist über ein schwaches, wehrloses Völkchen, das eben erst die ägyptischen Sklavenketten abgeschüttelt hatte, hergefallen, hat schwache Kranke, müde Greise und hilflose Säuglinge angegriffen. Verdient wohl eine derartige Bosheit schonende Nachsicht und Milde? Ist es nicht vielmehr ratsam, ja geboten, ein solches Volk , unschädlich zu machen sowohl zur eigenen Sicherheit, als auch im Interesse der anderen? Das Judentum ist die Lehre der Liebe und hat diese nicht nur auf den Lippen geführt, sondern auch stets betätigt, sogar denen gegenüber, die uns mit Hohn und Spott, Zurücksetzung und Verachtung begegnet sind. Allein das Schicksal Ameleks ist ein selbstverschuldetes und \ konnte und durste kein anderes sein. kl. i in AeijÄnef ans km Jahre 1493. Vorbemerkung: Wir geben in folgendem den hebräisch geschriebenen und von Adolf Neubauer übersetzten Brief in verkürzter Form wieder. Da dieser Brief uns manchen bemerkenswerten Aufschluß über die Verhältnisse der Juden in damaliger Zeit gibt, dürfte er auch für unsere jugendlichen Leser von Interesse sein. ' Am 5. August 5255 haben wir freudig Venedig verlassen, um unfern Weg anzutreten; wir kamen am Freitag um die 22. Stunde nach Pola, einer kleinen geräumigen Stadt, wo man Fleisch, Fische und andere gute Speisen zu billigen Preisen kauft. Wir blieben da 2 Tage im Hause des angesehenen R. Jakob Aschkenasi, der uns freundlich nach seinem Hause brachte und mit allem Nötigen versah; er ist hier der einzige Jude und ist sehr wohltätig, Von Venedig nach Pola sind 150 Meilen, man macht den Weg in 24 Stunden; wir hatten Windstille und unsere Reise dauerte daher länger. Wir verließen Pola unter günstigem Wind und kamen am Montag, den 17. August nach Korfu; es ist eine große, aber sehr schmutzige Stadt, und besonders ist das Judenviertel nicht im reinlichsten Zustande; das Obst ist hier sehr gut, und wir haben uns hier mit Brot, Käse, Trauben und Aprikosen für die weitere Reise versehen. Korfu ist von Pola 600 Meilen entfernt; wir blieben da nur eine Nacht, und ich kann Euch daher keine Schilderung von diesem Lande geben. 1 i! r. f £ §