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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 4 (1905) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
4 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
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52 JUNG ISRAEL. Der angeborene Stolz des Königssohnes bäumte sich auf, er sollte das Verächtlichste, was ein anderer nicht tun mochte, verrichten muffen! Im ersten Augenblicke wollte er dem Bauer für diese Anmaßung an die Gurgel . . . Doch er überlegte, und dann? Wäre es besser? In seiner Jugend ausschweifend, müsse er nun büßen, das sei die Sühne, die nie ausbleibt. Er nahm die Stelle an, und der Bauer bediente sich seiner wie des niedrigsten Knechtes. Tag und Nacht mußte er arbeiten, er war ein Sklave aller Familienangehörigen des Bauern. Einen Hund behandelte man besser als ihn. Doch ertrug er alles geduldig und fand darin eine Vergeltung für seinen srühern Hochmut. Am meisten kränkte es ihn, wenn die Leute ihn spottweise den „Königssohn" nannten. Eines Tages nun kam Polizei in das Haus, verhaftete den Bauer und nahm ihm sein ganzes Vermögen weg. Alle im Hause weinten bitterlich, und auch der Königssohn vergoß Tränen. Als er aber erfuhr, daß sein Vater der König dieses Larrdes sei, entschloß er sich, in die Residenzstadt zu gehen. Es war nicht sehr weit, und er kam am andern Morgen an. Der König sollte gerade das Urteil sprechen, als sich der Prinz durch die Menge drängte, bis er an die Stufen des Trones gelangte. „Vater, Vater," sprach er, „ich bitte dich, verzeih dem Bauer, was immer er auch getan haben mag. Denn was soll aus mir, deinem Kinde, werden, wenn mein Ernährer tot ist?" „Ich erkenne an diesen Worten," sprach ruhig der König, „daß ein neuer Geist in dich eingezogen ist: denn du bist dankbar gegen die, welche dich in deinem Elend stützen. Ich will dem Bauer verzeihen, wenn er auch ein Elender ist. Und du, mein einziger Sohn, mußt nun trachten, auch ganz zu verdienen, was dir die göttliche Fügung beschert hat." * * * Der Großvater hatte geendet. „Eine sehr schöne Geschichte," sagte der 8jährige David. „Und was ist der Sinn des Ganzen?" sragte sein um 4 Jahre älterer Bruder. „Der Sinn ist: Wahrhaft groß ist erst der, der auch für seine Unterdrücker noch Gutes übrig hat. Herrschen kann erst der, der das Dienen gelernt hat. Und so ist es auch mit den Juden. Sie haben gelernt, den bösesten Feinden nicht zu grollen, und sie, die aus dem freien Heimatlande dem Prinzen gleich ins Elend gestoßen wurden, haben auch gelernt, in der größten Not auszuharren und das Gute und Edle zu wollen und zu tun. Darum verdienen sie, von ihrem Vater wieder in Gnaden ausgenommen und in ihre Rechte eingesetzt zu werden."

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