Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 3 (1905) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
3 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 44 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9620171-9626617-9622639--1430-9622653
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

44 JUNG ISRAEL. Verhalten angab, lief die Kleine zur Tür und brachte die Alte ins Zimmer. Diese blieb bescheiden am Eingang stehen. „Kommen Sie nur, liebe Frau, das ist mein Muttchen, die tut Ihnen nichts, die ist ja so gut: nicht wahr, Mutti?" Die Mutter wußte vor Erstaunen nicht, was sie sagen sollte. „Bitte, setzen Sie sich," redete sie die zögernde Alte freundlich an. Unterdessen hatte die Erzieherin dem Kinde den Hut und den Mantel abgenommen und sich aus ihr Zimmer begeben. Wie Ruth gewünscht hatte, ließ die Hausfrau warmes Essen austragen, das die Alte mit sichtlichem Behagen verzehrte. Ruth stand in einiger Entfernung und sah mit Befriedigung, >nit welchem Appetit die Alte die wohlschmeckende Speise verschluckte. Hernach lies sie in ihr Zimmer und holte ihre Sparbüchse. Sie warf einen fragenden Blick ans die Mutter, und als diese ihr mit freundlichem Lächeln zustimmend zunickte, schüttete sie den Inhalt der Büchse der vor Freude zitternden alten Frau in den Schoß. Mit Tränen in den Augen und vor freudiger Erregung keines Wortes mächtig, wollte die beglückte Alte der Hausfrau die Hände küssen, was diese jedoch abwehrte. „Wenn Sie unserer Hilfe wieder bedürfen, kommen Sie nur zu uns. Hoffentlich wird Ruth bis dahin wieder etwas in ihrer Sparbüchse gesammelt haben." Mit diesen Worten entließ die Hausfrau die beglückte Alte, die mit Segenswünschen auf den Lippen und mit einer Träne in ihrem dankbaren Blick das gastliche Haus verließ. Und Ruth? Vergessen ist die Puppe. Aber das wonnige Gefühl, eine wahre Wohltat geübt zu haben, entschädigt das Kind reichlich — für lange Zeit. Fl. Die drei Abbildungen auf Seite 37, 39 und 45 dieses Heftes führen uns diesmal zu unseren Stammesvettern, den Arabern der Wüste. Sie stellen ein junges Beduinen - Mädchen dar, einen alten Scheik, und zwei Karawanenführer neben ihren beladenen Kamelen. So waren diese Araber vor tausend Jahren, und so sehen sie auch noch heute aus, und noch lange wird der europäische Reisende über die Unbeweglichkeit des Orients staunen, der ihm heute noch auf Schritt und Tritt Gestalten, Trachten und Szenen zeigt, die viel besser in das Zeitalter unseres Erzvaters Abraham passen, als in unsere moderne Gegenwart.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.