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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 3 (1905) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
3 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 40 (sequence 10)
Language
German
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40 JUNG ISRAEL. BERURIA. VON BERTHOLD FE1WEL. Solch’ einen Sabbatli Sah man lange nicht, Es war ein Tag voll Schönheit und voll Licht. Nun neigte sich sein Glanz dem Ende zu. Die letzten Sonnenstrahlen flogen mahnend Ins Schulhaus, wo dem Ruhetag zur Weihe Der weise Rabbi Mei'r Schule hielt. Des Rabbi Wort' war schön wie nie zuvor, Es zog wie süsser Harfenklang ins Ohr. Des Rabbi Weisheit war wie Gold so klar Und seine Erömmigkeit wie Felsen stark. Und keiner war dem Weisen zu gering, Dass er das fromme Fragen ihm verwehrte. Sein Wort ward jedem, der darnach begehrte, Und sieh — indes die lernbegierige Schar Mit ihrem Meister Wechselreden tauschte Und seiner Lehre wissenstrunken lauschte, Zog von den Bergen still die Nacht herab. Und dunkel ward's im Saal. Sie merkten's nicht: Des Rabbi Wort war schön, wie nie zuvor Und flammte auf wie morgenhelles Licht. Am Sabbath-Abend, da der weise Rabbi Im Schulhaus Geist und Sinn des Lebens lehrte, War in sein eignes Haus der Tod getreten. Zwei Söhne hatte Mei'r, jung und schön; Am Sabbath-Morgen bliitemveiss und rot, Am Sabbath - Abend fällte sie der Tod. Die Mutter sah den Tod durchs Zimmer gehn. Die Mutter sah, wie jäh die zwei erblassten, Wie Fieberschauer ihre Körper fassten Und wie die jungen, wilderschreckten Augen Im heissen Kampfe mit dem Tode brachen. Und zitternd, stöhnend, jammernd, schreiend Nahm sie der Söhne Hände in die ihren, Den Kindern von dem eignen warmen Leben Die letzte Glut, das letzte Blut zu geben, -- Die Hände, die sie fasste, waren kalt.T Da presste sie die Zähne aufeinander Und faltete die Hände zum Gebete. Nicht eine Träne feuchtete ihr Auge. Indes sie all das namenlose Leid, Die unsagbaren Schmerzen alle fühlte, Indes das Weh ihr Mutterherz durchwühlte, Stand sie, gleich einem Bildnis, unbeweglich Und sah mit heissen, tränenlosen Augen Auf ihre jungen, bleichen, toten Söhne. So stand sie Augenblicke stumm und starr. Da plötzlich, durch das Dunkel ihrer Schmerzen Zuckt der Gedanke an den Mann, an Mei'r, Der jetzt und jetzt die Türe öffnen musste. Sie fasst die toten Söhne, bettet sie Aufs weisse Lager, breitet über sie Lin weites Linnen, das die Körper deckt - Da tritt der Rabbi durch die niedre Türe.

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