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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 25 (sequence 11)
Language
German
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JUNG ISRAEL. 25 Ame zweite Aekekka. Rabbi Josua kam an einem heißen Sommertage, als er Almosen an arme Kranke verteilen wollte, in ein entlegenes Dorf. Nach einer langen, beschwerlichen Wanderung in der glühenden Sonnenhitze kam er gegen Abend ermattet und von brennendem Durst gequält an einen Brunnen, ans dem die Mädchen Wasser schöpften. Er wandte sich an eines der Mädchen, das durch jein flinkes, fröhliches Wesen angenehm auffiel, und bat es: „Ach, mein liebes Kind, laß mich doch aus deinem Eimer trinken; mich durstet gar sehr, denn ich bin schon lange unterwegs und habe noch eine Strecke zurückzulegen. Doch ein frischer Trunk tut mir not, um mich für die Weiterreise zu erfrischen und zu stärken." Gleich jener Rebekka, von der uns die heilige Schrift erzählt, daß sie mit größter Zuvorkommenheit dem treuen Diener Abrahams, Elieser, ihren Krug darreichte, damit er sich an einem frischen Trunk laben könne, bot das anmutige Mädchen dem Rabbi ihren Eimer, ihm freundlich zunickend: „Trinke, ehrwürdiger Herr und erquicke deine ermatteten Glieder. Und wenn du dich hinreichend gelabt haben wirst, will ich auch deinem ermüdeten Tiere zu trinken geben." Erfreut durch die Gutherzigkeit des Mädchens sagte der Rabbi: „Du bist eine treffliche Tochter Israels. O wie gut hast du es verstanden, die Güte und Freundlichkeit unserer frommen Mutter Rebekka nachzuahmen!" Ohne sich zu besinnen, erwiderte das Mädchen lächelnd: „Euer Lob, Rabbi, freut und ehrt mich; an euch ist es nun aber, dem freigebigen Beispiele Elkesers zu folgen." (Bekanntlich hat Elieser der Rebekka goldene Schmucksachen geschenkt.) „Ganz recht, meine Tochter," versetzte der Rabbi, durch den geistreichen Einfall des jungen Mädchens erfreut und erheitert, „auch du verdienst für deine Gutherzigkeit Geschenke von Gold und Silber. Doch dieser Schmucksachen benötigst du am allerwenigsten; denn wisse: du besitzest ein kostbares Kleinod, das alle Erdengüter der Welt an Wert übertrifft; dich ziert eine fromme Seele, du bist reich an Geist, an Sanftmut und Güte. Wer solche Schätze aufzuweisen hat, bedarf keiner irdischen Güter, die doch nichtig und vergänglich sind. Mögen deine unveräußerlichen Reichtümer dir erhalten bleiben für alle Zeit." Errötend neigte sich das holde Mädchen, um dem ehrwürdigen Rabbi die Hand zu küssen. Doch dieser wehrte es ab, segnete das Mädchen und setzte zufrieden seine Reise fort.

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