Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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10 JUNG ISRAEL. giltigkeit in Hinsicht auf das Judentum ist für uns eine ebenso große Gefahr wie die Lieblosigkeit und Zurücksetzung, der wir auf Seiten unserer nichtjüdischen Mitbürger nicht selten begegnen. Da gilt es für jeden von uns, ein Mann sein, d. h. mit freudigem Stolz unser Judentum allezeit bekennen, uns nicht vordrängen und uns niemand aufdrängen, dem Gegner mutvoll und entschieden gegenübertreten, uns nicht ducken und nicht ducken lassen; aber auch stets pflichttreu und bescheiden, wahrhaftig und menschenfreundlich sein — das nennt man, ein Mann sein. Um aber diese Fähigkeit zu erlangen, dazu bedarf es der rechten Erziehung und Gewöhnung. Wenn ihr euch mit den Urkunden unserer Überlieferung, mit unserer Geschichte und Literatur vertraut zu machen bestrebt seid, wenn ihr jüdisches Leben und Wesen kennen zu lernen und euch die jüdischen Tugenden anzueignen bemüht seid, dann werdet ihr dem Judentum zur Ehre und zur Stütze gereichen. Darum vertieft euch in jüdischen Schriften, erbaut euch an jüdischer Geschichte, erhebt euch an den Werken jüdischer Dichter, Denker und Künstler! Wappnet euch mit Vertrauen und Makkabäermut, und jeder von euch wird ein Mann sein. Ainguartiernng. (Nach Notizen aus dem Lagebuch des Erzherzogs Karl von Österreich). Es war im Sommer 1797, als Erzherzog Karl von Österreich die Franzosen bei Stockach besiegte und sie über den Rhein nach der Schweiz vertrieb, da drang er dann mit seiner Armee dem Feinde nach bis an die Schweizer Berge und setzte sich zwischen der Limmat und der Aar nieder. Bei dieser Gelegenheit kam das Hauptquartier nach Endingen, dem sogenannten damaligen schweizerischen Ghetto, wo allein in der Schweiz dazumal Juden wohnen durften. Der Ort liegt in einer idyllisch schönen Talschlucht, und obschon drei Konfessionen: Juden, Katholiken und Protestanten das Dorf bewohnen, so hat es doch weder Kirche noch Pfarrhaus, und das schönste monumentale Gebäude daselbst ist die Svnagoge. Die meisten Bewohner besaßen nur einfache, niedere Häuschen, und nur die wohlhabenden unter den jüdischen Familien hatten schöne, geräumige Häuser. Unter diesen ragte vor allen das des Gemeindevorstehers Michael Trius-Dreyfus und seines Sohnes Wolf Dreyfus hervor. Selbstverständlich wurden diese Häuser alsbald von den höchsten Offizieren in Besitz genommen, und so kam es, daß Erzherzog Karl in jenem des Vorstehers Michael