Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9620171-9626617-9622593--1380-9622603- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 JUNG ISRAEL. besiegt werden. Die Freiheit aber wird verfochten von Helden, die siegen oder sterben, deren Widerstand keine Grenze hat. Ganz Juda war das brennende Eigentum der Römer, selbst im Tempel fußten schon ihre Stürmer und hatten gesiegt. Nur ein kleines Türmchen auf einem Turm trug noch den letzten wehrfähigen Kämpfer, einen Priester. Er sollte sich ergeben. Da riß er einen Eisenstab aus dem Geländer und zwei Römerleichen fielen mit ihm in den Abgrund. So darf freudig und stolz unser Herz bei dem bloßen Gedanken der Abstammung von unseren Ahnen schwellen, die so herrlich den Satz in Tat umsetzen, daß weit besser der Tod sei als die Knechtschaft. DER VERDIENTE GROSCHEN. (ZU NEBENSTEHENDER ILLUSTRATION.) Hart ist der Winter, und der Frost malt an die Fenster Blumen, wie sie kein Künstler so fein, so seltsam und in solcher glitzernden Pracht malen könnte. Wie traulich und anheimelnd ist's da in den wohldurchwärmten Stuben, wenn sich am Abend Eltern und Kinder zum fröhlichen Mabl um den Tisch setzen und die Lampe mit freundlichem Schein das so liebgewordene Familienzimmer bestrahlt! Oder wenn die Kinder am Arbeitstische sitzen und fleißig in ihren Büchern lesen und in ihren Heften schreiben und nur manchmal aufhorchen, wenn der böse Wind draußen ans Fenster pocht. Da freuen sie sich, daß ihnen der unleidliche Gesell nicht zu nahe kommen und ihnen nichts anhaben kann. Aber es gibt auch andere Stuben, kleine, mit kleinen Fenstern und kleinen Ofen. Die und die Leute, die darin wohnen, haben's schwerer, mit dem Eismann, der gar grausam ist, fertig zu werden. Hu, wenn er einmal merkt, daß im Fensterchen ein Loch oder im Öfchen kein Holz ist! Flugs schwirrt er, pfeifend und surrend, ins Stübchen, und dann ist's eine schwere Not, ihn hinauszukriegen. Jeder Arme weiß davon ein Lied zu singen, das gar nicht so fröhlich ist wie etwa das Summen des Teekessels, der in den guten Stuben summt. Auch Mutter Lea weiß genau, was der Winter für ein unheimlicher Gast ist. Da heißt es, fest an der Arbeit sein, keinen Weg und keine Mühe scheuen. Früh morgens nimmt Mutter Lea ihre Körbe untern Arm, heute mit roten Äpfeln oder Eiern darin, morgen mit frischem Gemüse, und was dergleichen kleiner Hausbedarf mehr ist. Viele Treppen muß sie vergeblich auf- und niedergehen und darf nicht verzweifeln, wenn man ihr unwirsche Antwort gibt, und nicht zudringlich werden, wenn die