Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 21 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Anstand. (Schluss. IV. In der Synagoge. Der Würde und Heiligkeit der Andachtsstätte entsprechend, muss unser Verhalten ein ganz besonders wohlanständiges sein. Mit Beginn des Gottesdienstes muss man auf seinem Platze sein, den man vor Schluss nicht verlassen’sollte. Durch verspätetes Kommen und vorzeitiges Verlassen des Gotteshauses bekundet man Mangel au Ehrerbietung vor dem geweihten Ort und verursacht Störungen. Wie überall so muss man auch hier älteren Leuten seinen Platz überlassen. Während der Andacht sich unterhalten, sich in der Synagoge umschauen oder gar Allotria treiben, ist im höchsten Grade ungebührlich. Erscheine nie ohne Gebetbuch im Gotteshause! Füge dich in jeder Beziehung der Synagogenordnung! Achte auf Sauberkeit des Körpers und der Kleidung, bevor du das Gotteshaus betrittst; suche deinen Platz geräuschlos auf und verlasse ihn ebenso nach endeter Andacht. Vergiss nicht einen Augenblick, dass „der Boi auf dem du stehest, heiliges Erdreich ist“, und dass du im Gel „vor den König aller Könige, den Heiligen — gelobt sei er hintrittst. Deshalb sei deine Haltung eine angemessene und würdevolle, deine Teilnahme am Gottesdienste eine innige und aufmerksame! V. Bei Tische. Nach der Art, wie du wirst esseu, Wird das Urteil dir gemessen." „ . . . . Am Tisch bescheiden, Mit dem Trinkhorn, mit der Rede. WoliL’r. Bist du irgendwo als Gast geladen, so komme nicht zu spät zum Essen! Auch am häuslichen Tische triff nicht zu spät ein! Wie jenes dem Hausherrn und den übrigen Gästen, so ist dieses deiner Familie gegenüber eine Rücksichtslosigkeit. Sprich nicht während des Essens; iss nicht zu schnell und nimm den Mund nicht zu voll! Kaue nicht laut, sondern iss langsam, ruhig und leise! Vermeide das Gähnen, Schlucksen, Niesen, das Auswerfen, besonders auf den Boden, sowie den häufigen Gebrauch des Taschentuches. Ist ein zweites Gericht zu erwarten und dir wünschenswert, so lasse Messer und Gabel nicht auf dem Teller liegen! Knochen, Fett u. dgl. dürfen nicht auf den Teller gespuckt, sondern müssen unbemerkt mittels der Gabel, die man zu diesem Zwecke an die Lippen hält,