Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 17 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Tasche stecken, da bekam ich eine derbe Ohrfeige, so daß ich vor Schrecken den Apfel fallen ließ. „Junge," sagte zugleich der Mann, der mir die Ohrfeige gegebeben hatte, „wie heißt das achte Gebot? Nun ich hoffe, daß du zum erstenmale dagegen fündigst; laß es das lebte Mal sein!" — Vor Scham wagte ich kaum die Angen anfzuschlagen; trotzdem ist mir das Antlitz jenes Mannes unvergeßlich geblieben. — In der Schule war ich anfangs sehr unaufmerksam, ich glaubte immer von neuem die Worte zu hören: „Laß es daß letzte Mal sein!" Und ich nahm mir fest vor: „Ja, es soll gewiß das erste und letzte Mal sein." Aber auch lange nachher, wenn ich in der Schule das achte Gebot aufsagen sollte, dachte ich mit heftigem Herzklopfen an jenen Morgen. Als ich vor einigen Jahren die Schule verließ, ward ich Lehrling bei einem Kaufmann in Bremen, von dort ging ich später nach Südamerika. Hier kam ich wohl manchmal in Versuchung, in Kaufmannsgeschäften andere zu betrügen und so die Hand nach fremdem Gute auszustrecken, aber dann ward es mir immer, als fühlte ich von neuem die Ohrfeige, und ich erinnerte mich der Worte: „Laß es zugleich das letzte Mal sein!" So bin ich ehrlich geblieben und in dem Vermögen, welches ich mit herübergebracht habe, ist kein Pfennig Unrechten Gutes. Gott sei dafür gelobt!" So erzählte der junge Mann; dann aber ergriff er die Hand des Herrn Müller und sagte: „Darf ich nun diese Hand, die mir eine solche Wohlthat erwiesen hat. recht dankbar drücken." Unsere Ureisnrbeil. Die Beteiligung an den: Wettbewerb war dieses Mal eine verhältnismäßig kleine: 32 Leser haben Preisarbeiten eingeschickt; von diesen Arbeiten haben einige nicht berücksichtigt werden können, weil sie nicht den Anforderungen eittsprachen. Wir kötrnen andrerseits mit Freuden feststellen, daß ein großer Teil der eingeschickten Arbeiten in jeder Beziehung lobenswert sind, und es ist uns angenehm, außer den 6 (5) ausgesetzten Preisen den Arbeiten von 8 Lesern eine lobende Anerkennung zuteil werden zu lassen. Die Preise verteilen sich wie folgt: 1. Preis: Leo Wicner-Ostrowo (Weckelsdorf>. 2. „ Else Weigert Berlin (Blumenkorso in Ems). 3. „ Siegfr. Merzbacher-München (Überschwemmung in Aussee). 4. „ Albert Daltrop-Oelde (Ausflug nach Marienfeld). 5. „ Hermann Berg-Essen (Norderney). 6. „ Sally Brasch-Berlin (Ausflug nach Spaitdau).