Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 16 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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237 gut. Ich wünsche, daß du in gleicher weise verfährst, wenn die Schwester des Königs in Zukunft wieder etwas von dir verlangen sollte, was du als sündhaft erkennst und fühlst." „Aber weshalb thut sie es?" „Du bist ein Rind und kannst die Gründe nicht begreifen, die sie dafür hat." „Aber sie verlangt ja Unrechtes von mir?" „Das ist wahr, aber denke nicht weiter darüber nach. Bewahre dir selbst stets ein rechtliches Herz und siehe nicht auf das, was andere thun." Als sich Noemi einige Tage später wieder im Garten befand, bemerkte sie unter einer Bank ein Papier. Sie erkannte, als sie es aufhob, einen zusammengelegten Brief. Der Neugierde nachgebend und sich dabei nichts denkend, öffnete sie denselben. Da ihr die Schrift aber völlig unbe- . kannt war, wollte sie das Papier wieder zusammenfalten und in seine frühere Form bringen. Plötzlich stand Salome vor ihr. „was Haft du hier, Noemi?" fragte sie auf das Papier deutend. „Ls ist ein Brief, den ich eben hier gefunden habe." „Und was willst du damit anfangen?" „Ich will ihn meiner Herrin geben, die ihn vielleicht auf dem Nkorgenspaziergang hier verloren hat." „Zeig doch einmal." Noemi reichte zögernd den Brief. Die Königsschwester öffnete ihn und sah flüchtig den Inhalt durch. „Ls ist richtig," sagte sie dann — „der Brief ist für die Königin bestimmt. Ich selbst werde ihn ihr zurückgeben, da ich heute noch bei ihr sein werde." hierauf entfernte sie sich, Noemi schaute ihr verblüfft nach; es that ihr leid, daß sie selbst nicht den Brief der Königin bringen konnte. Außerdem hatte ihr heute die Königsschwester ganz besonders mißfallen; ihr Gesicht trug boshafte, häßliche Züge, und ihr Blick war so unheimlich. Sie hielt es für ihre Pflicht, der Königin Mitteilung von dem Geschehenen zu machen, sie glaubte, dadurch das beängstigende Gefühl los zu werden, das sich ihrer bemächtigt, seit der Zeit, wo sie den Brief aus Händen gegeben hatte. Die Königin hörte ihre Erzählung ruhig an und blieb ziemlich gleichgültig dabei. „Ich habe keinenen Brief verloren," sagte sie. „Aber des Königs Schwester meinte, daß der Brief für Luch, meine Herrin, bestimmt sei. „Sie nahm dir den Brief ab?"