Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 12 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Von der Freundschaft. j>| lle menschlicher: Tugenden zeigt uns die heilige Schrift in anschaulicher «>^^.und für groß und klein verständlicher Weise. Herrliche Charaktergestalten sind es, die die Bibel, dieses große Erziehungsbuch für die Menschheit, uns vorführt. Ein Beispiel daraus erscheint uns dadurch besonders schön, daß es uns das Bild inniger Freundschaft verbündet: mit der Liebe zu Gott vorführt. Ihr merkt wohl, liebe Kinder, daß ich von der Freundschaft zwischen David imd Jonathan zu euch sprechet: will. Diese Freundschaft findet den treffendsten Ausdruck in den Worten der Bibel: „Und die Seele Jonathans rvar verknüpft mit der Seele Davids" (I. Sanmel 18, 1.). Wir lernen hier einen Freundschaftsbund kennen, lvie er einzig dasteht iit der heiligen Schrift und in der Weltgeschichte. Jonathaits Liebe ztl David ist hervorgegangen aus der Erkenntnis von Davids hohem, innern Wert: er kanitte dessen Gottvertraner:, Unschuld, Demut und Heldensinn. Deshalb vergißt er gänzlich seine hohe Stellung, verzichtet zu Gunstei: feint'* Freundes auf die ihn: erbmäßig zustehende Königskrone. Ja noch mehr! Er fürchtet nicht den Zorn seines Vaters, der jenen zu vernichten trachtet: mit eigener Lebensgefahr versucht er es, David zu verteidigen und seinen königlichen Vater für ihn günstig zu stimmen. Eine solche Freundschaft ist nur denkbar bei völliger Übereinstimnnnlg der Gefühle, nur dann, wenn man sein eigenes Glück in dem seines Freunde* erblickt. Eine solche Freundschaft ist nicht blos die Anhänglichkeit zweier j:u:gei: Herzen, sondern sie ist geweihet von: Geiste Gottes, gegründet auf den: festen Glaubei: an den Allmächtigem Gewiß habt ihr alle einer: Freund oder vielleicht gar mehrere Freunde. Habt Ihr aber auch schon bedacht, welche Pflichten Euch die Freundschaft auserlegt? Blicket hin auf David und Jonathan, deren Bund „in: Namen des Ewigen" geschlossen war. Die Freundschaft soll nur auf gegenseitiger innerer Wertschätzung beruhen, also eine religiös-sittliche Grundlage haben; jeder Eigennutz muß ausgeschlossen sein, vielmehr n:uß der Freund — gleich Jonathan — die größte Selbstverleugnung zeigen. Ihr kennt doch das schöne Sprichwort: Freund in der Not, Freund in: Tod, Freund hinterm Rücken Sind drei feste Brücken. Ja der wahre Freund zeigt sich in der Not. Wie einft Jonathan mit Ge fahr seines Lebens David verteidigte. und ihn in Schutz nahm, so wollen