Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 9 (1898) · p. Seite 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
9 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 135 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9620171-9622086-9622257--1041-9622266
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 135 — schwichtigen; allein, er hat bereits alle Zuversicht verloren; er fürchtet den Zorn des römischen Kaisers." „Das ist der Fluch des bösen Gewissens." „Stille, stille, Zipora, verurteile Herodes nicht; er ist nun einmal dazu gezwungen, auf der betretenen Bahn weiterzugehen, er thut das unter dein Drucke der Verhältnisse." „Also Mord auf Mord häufen — darf er dies? Wird er dies einst vor Gott verantworten können?" „O, würdest Du in sein Znneres schauen können, würdest Du die Hunderte von Plagegeistern in Gestalt der mannigfachsten Befürchtungen dort gewahren, so würdest Du anders urteilen, ja vielleicht Mitleid uud Erbarmen mit ihm haben." „Niemand ist berechtigt, seine eigene Existenz auf Kosten anderer zu befestigen, und noch weniger steht es einem Könige zu, die in seiner Regierung entstandenen Bisse mit Blut zu erbitten. Buch dauert nur die arme Königin. Diese edle Frau, deren Herz kein Unrecht kennt; wodurch hat sie das Schicksal verdient, von der Laune eines gefühllosen Gatten abhängig zu sein, so daß sie als Königin unglücklicher als die ärmste Frau im Volke ist?" „Za sie ist in der That zu beinitleiden." „Wohl zu bemitleiden, wenn sie sehen nruß, wie ihr die -teuersten Verwandten vernichtet und hingeschlachtet werden, wie die Wurzel ihres Stammes innnermehr untergraben wird. — Wozu hat sich der König eigentlich entschlossen?" „Er wird wohl in jedem Falle nach Bhodus gehen. Zuvor jedoch will er die Königin in Sicherheit bringen und sie deshalb mit ihrer Mutter nach der Festung Alexandreion schicken." „Mein Gott, da wird sie ja in der Einsamkeit schließlich ganz verkonunen. Vielleicht erwirkest Du, daß ich mitgehe." „Denk' nicht daran. Er will es überhaupt nicht haben, daß irgendjemand davon wisse, daß inan erfahre, wohin er sie gebracht; mir hat er es auch nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitgeteilt." „Was Zipora bei dieser Mitteilung einpfand, prägte sich deutlich auf ihrem Gesichte aus, wo das innigste und aufrichtigste Mitleid mit der Königin sich zeigte. „was soll ich nun Ukwo sagen, wenn er wiederkommt?" fragt Zipora nach einiger Zeit. „Vertröste ihn auf später; sage ihm, daß er sich gedulden müsse." „Und die Kapsel?" „Mag er einstweilen bei sich behalten, wenn er sie nicht durch Dich an die Königin gelangen lassen will." Batyra erhob sich. Es war die Zeit da, wo er das Lehrhaus aufzusuchen pstegte; Zipora aber nahm ihre häusliche Beschäftigung wieder auf.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.