Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 6 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Kommt Kinder, hört mir zu! w 34,12. J)on Dr. B. knttner-^rankfnrt a. Al. XXX. 5,n Z. Ruch Mos. 19,52 heißt es: „vor eine», grauen Haupte sollst du aufstehen, und du sollst ehren das Ansehen eines Allen; und fürchte dich vor deinem Gotte! bin der Ewige." Beachtet es wohl, wie dringend dieses Gebot eingeschärft wird! warum heißt es nicht: „Vn sollst nicht stehlen; fürchte dich vor deinem Gotte! ^jch bin der Ewige"? weil der vieb ja schon von den Menschen gestraft wird, 11116 der Mörder desgleichen. Aber wer es älteren Personen gegenüber an der nötigen Achtung fehlen läßt, den kann .man nicht vor Gericht fordern, so abscheulich und gradeZn sündhaft das auch ist. Darum heißt es hier: „fürchte dich vor deinem Gotte! Jet? bin der Ewige," der das Gnte belohnt und das Böse bestrast. Ein weiser Lehrer des Talmud sagte schon: „Bei jeglichem Gebote, dessen Erfüllung nur dem HerZen des Menschen anheim gegeben ist, heißt es in der Schrift: „fürchte dich vor deinem Gotte! 5a, es Zeugt von einem rohen HerZen, wenn einer keine Ehrfurcht vor dem*Alter bat; wenn er ältere Personen stehen läßt und selbst sitzt; oder wenn er den besseren Platz einnimmt, obgleich'er sieht, das ältere Personen einen schlechteren Platz haben; oder wenn er sich vordrängt und sie warten läßt. Mann soll überhaupt gegen ältere Personen höflich und gefällig sein, ihre Bede bescheiden und geduldig anhören; keineswegs aber darf man ihnen in nnehrerbietiger weise widersprechen oder gar ins Wort fallen, fln Gegenwart älterer Personen dürfen jüngere überhaupt nicht das Wort führen wollen; auch nicht sprechen, bis die Reihe an sie kommt, oder bis man sie aufforöert Zu sprechen. Aamentlich aber sollen die Binder nur Znhören und erst dann sprechen, wenn sie gefragt sind, wer die Ehrfurcht vor dem Alter übt, Zeigt, daß er ein guter Mensch ist, und kommt sicherlich einmal noch zu Ehren; wer aber älteren Personen nnehrerbietig ist, der Zeigt nur seine Roheit imd wird es gewiß noch bereuen, „verachte kAnen wegen seines Alters," sagt Sirach (8,6), „denn wir wünschen auch alt Zn werden." Ja, wir wünschen auch alt Zn werden; aber das ist nicht so leicht, vor allem muh man vernünftig leben, also mäßig sein im Essen und Trinken, Arbeit und Erholung richtig verteilen und überhaupt seine Lebensweise so einrichten, doh man alt dabei werden kann, wer also alt geworden ist, der Zeigt, daß er sich nicht 'nur redlich ernährt, sondern auch richtig gelebt hat, und darum verdient er unsere Hochachtung. Außerdem hat er in seinem langen Leben Erfahrungen gesammelt, ist also weiser und verständiger in seinem Urteil — und darum müssen wir ihn ehren, vnd da unser Leben in Gottes Hand steht, so brauchen wir bei all unsrer Klugheit und Vorsicht Gottes