Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 3 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 46 — Esther: Ja Vater, leider ist’s wahr, ja leider, Denn Wasthi, die der Frauen Zierde war, Sie war ein Opfer jenes listigen Haman, Dem sie von je ein Dorn im Aug’ gewesen. Weil sie des Höflings Falschheit längst durchschaute Und stets sich fernhielt seinen bösen Ränken, Begann er gegen sie sein falsches Spiel. Mordechai: Das also, Haman, ist dein Werk? fürwahr, Dann kann der schlechteste von uns sich rühmen, Hoch über deiner Schändlichkeit zu steh'n. Und solch ein Mensch hat Einfluss auf den König, Dass er allein des Landes Schicksal lenken Und uns in Furcht und Zittern halten kann! 0 käme bald uns Rettung vor dem Uebel! Esther: Warum bo traurig, Vater, der du stets So gottvertrauend auf des Herren Stärke weisest? Wirst jetzt verzagen, da das Unrecht gegen uns? Hast du nicht stets gesagt, dass alles Gute Wie alles Böse die Vergeltung findet? Nein, lass uns fest vertrauen, der Herr hilft weiter, Wie er ja seinem Volke stets geholfen, (Man hört Stimmengemurmel.) Doch horch! Was ist da draussen für ein Lärmen? Sieh nur, schwarz ist die Strasse von den Menschen, Ein Herold will des Königs Schrift verlesen. Mordechai: So hören wir, mein Kind! t (Sie treten ans Fenster, das Gemurmel wird leiser, dann hinter der Bühne:) Herold: Kund und zu wissen sei dem ganzen Volke, Dass Wasthi ihrer Würde ging verlustig. Es ist jetzt königlicher Wunsch, dass in vier Wochen Des Landes Jungfrauen alle sich versammeln. Aus ihnen wird der König die erwählen, Die ihm die würdigste erscheint an Geist und Körper. Sie wird er zu des Landes Herrin machen. (Stimmen hinter der Bühne: Es lebe der König! Gemurmel wird schwächer, hört allmählich auf. Mordechai: (Wie aus einer Yerzüokung erwachend, plötzlich) Ester, die Rettung ist da, du wirst deinem Volke zum Schutzgeist; Denn wer wäre würdiger als du, des Königs Gemahlin zu heissen! Esther: Womit hab ich denn solchen Spott verdient, Mein Vater, wie kann ich nur daran denken, Dass gerade mich der König wird erwählen?