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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 1 (1898) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
1 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 10 (sequence 17)
Language
German
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10 Moses Mendelssohn. Dem haben namentlich wir deutschen Juden unendlich viel zu verdanken. Er hat uns aus geistiger Nacht zum Licht, aus geistiger Knechtschaft zur Freiheit gebracht. Bis dahin nämlich wuchsen die meisten Juden ohne allen Unterricht und ohne Bildung auf. Seinem Wirken ist es hauptsächlich [zuzuschreiben, dass es seitdem in dieser Beziehung anders wurde. Wer von Euch in Berlin wohnt oder einmal nach der Hauptstadt kommt, der wandere hinaus in den schönen Tiergarten zum Lessing-Denkmal. An demselben ist auch er, der freund des gewaltigen Dichters von „Nathan der Weise,“ ist auch der Befreier der deutschen Judenheit, durch Künstlerhand verewigt. —• Der vierte berühmte Träger dieses Namens ist Montefiore. Er war ein Engländer. Der Name freilich ist italienisch und bedeutet ins Deutsche übertragen, soviel wie „Blumenberg.“ Seine Vorfahren stammten aus der Apenninen-Halbinsel, und die Vorsehung fügte es. dass auch unser Moses in diesem Lande, auf einer Reise seiner Eltern durch dasselbe, im Jahre 1784 das Licht der Welt erblickte. Er erlebte also noch die beiden letzten Jahre der Regierung Friedrichs des Grossen und war bei der Geburt des unvergesslichen Kaiser Wilhelms!. bereits 13 Jahre alt. Der Psalmdichter sagt: „Unser Leben währt 70, und wenn es hoch kommt 80 Jahre.“ Auf Montefiore treffen diese "Worte nicht zu; denn über 100 Jahre ist er alt geworden. Ihr könnt Euch wohl denken, dass er in einem solch langen Zeitraum gar viel erlebt und erfahren, unternommen und ausgeführt hat. Hier soll Euch jedoch nur von dem berichtet werden, wodurch er sich vornehmlich die Anerkennung und Verehrung, die Liebe und Dankbarkeit von Tausenden erworben hat. Das sind seine Reisen. Wer eine Reise unternimmt, thut dies entweder aus geschäftlichen Gründen, also zu seinem Vorteil oder zum Vergnügen, oder um ein noch wenig bekanntes Land, dessen Einwohner, Sitten und Gebräuche zu erforschen, zu eigener und anderer Belehrung. Montefiore verfolgte bei seinen vielen Fahrten in halb zivilisierte Länder keinen dieser Zwecke. Seine Reiseunternehmungen waren ein Ausfluss seines edlen Herzens; denn sie waren stets hervorgerufen durch die Not und das Elend seiner gequälten Glaubensgenossen. Liebe Kinder, es giebt noch eine ganze Reihe von Staaten, in einen unsere Stammesbrüder gar sehr bedrückt werden, und oft und inbrünstig entringt sich ihren Lippen jene Stelle aus dem „Tischgebet:“ „Er, Gott, möge brechen das Joch, das schwer auf unserem Nacken liegt.“ Die Juden werden nicht überall so ven der Obrigkeit und Regierung geschützt, wie dies in unserem lieben Vaterlande der Fall ist. Gar viele Völker, auch in Europa giebt es noch solche, verlangen von den Anhän-

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