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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 24 (1897) · p. Seite 383

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
24 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 383 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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383 Der erste Schnee. Klein-Lottchen läuft, frisch gewaschen und gekämmt, direkt aus dem Schlafzimmer an das Wohnstubenfenster, um zu sehen, was es Neues draussen gäbe. Welche Überraschung! Über Nacht ist alles weiss geworden; die Erde hat sich mit einem weissen Tuche bedeckt; auf den Bäumen liegts wie ein feiner, weisser Schleier; die Laterne hat ein weisses Mätzchen auf, und das kleine Bänkchen unten im Garten hat gar ein weisses Polsterchen bekommen, welches so weich und mollig erscheint, dass man ordentlich Lust bekommt, sich darauf niederzulassen. Wie ist nur dieses Wunder geschehen? Gestern war doch noch nichts von dem weissen Sehmuck draussen zu gewahren! Lottchen zählt erst drei Jahre und weiss sich daher noch nicht an den vorjährigen Winter mit seinem Schnee und Eis zu erinnern; daher das Staunen über diese plötzliche Verwandlung in der Natur. Es ruft die,älteren Geschwister mit lauter, jubelnder Stimme herbei: „Oskar, Lenchen, kommt schnell einmal her, guckt durch das Fenster und seht nur, was draussen geschehen ist!“ Oskar ist der erste, der diesem Rufe Folge leistet und hinausschaut. Auch er ist überrascht beim Anblick der weissen Schneedecke; doch findet er sofort eine Antwort auf die Frage des Schwesterchens und sagt: „Siehst Du, Lottchen, das hat die Frau Holle gemacht, die in den Wolken wohnt; wenn sie ihre vielen Betten schüttelt, dann fallen die Federchen zur Erde nieder, und alles wird davon weiss.“ Lottchen möchte nun gern noch mehr von der Frau Holle wissen, und der kleine Oskar ist gerade im Begriff, ihm von seiner Weisheit etwas mitzuteilen; doch wird er daran durch das Hinzutreten der noch älteren Schwester Helene verhindert, welche einiges von der Unterhaltung der beiden Kinder gehört hat. Lenehen ist schon ein ganz verständiges Mädchen; es geht bereits seit einem Jahre zur Schule, und da es eine aufmerksame Schülerin ist, so behält es auch, was die Lehrerin den Kindern erzählt. Gelegentlich lässt Lenchen den jüngeren Geschwistern etwas von seinen Kenntnissen zu gute kommen und fühlt sich dann sehr wichtig und überlegen. Auch jetzt kann es dem kleinen Lottchen besseren Aufschluss über den Schnee geben als der jüngere Bruder und sagt: „0, Oskar, Du denkst an Märchen; weisst Du noch nicht, dass das Schnee ist, kalter, nosser Schnee? Der kommt im Winter aus den dicken Wolken herab, und wenn die Erde dann wie mit einem weissen Bett zugedeckt ist, so sind auch die Wurzeln und Pflänzchen alle gegen den kalten Winterfrost geschützt und können nicht erfrieren. „Seht Ihr wohl, meine lieben Kinder,“ sagte die hinzutretende Mutter, „hieraus könnt Ihr wiederum lernen, wie weise alles in der Welt

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