Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 21 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Plauderstündchen mit Freundinnen, im Sommer wohl auch einmal ein Freikonzert im Gartenlokal; kein Wwnder also, daß sich alle Schwestern schon tagelang vorher auf den Sonnabend, diese angenehme Unterbrechung ihres sonst so eintönigen Gebens, freuten. „Aber Glara, wieviel Kriegsflotten sind Dir beim untergegangen," neckte Anna die Schwester, „Du machst ja ein Gesicht, als wenn Du Wostrich mit Zucker und Zimmt essen müßtest." „Ich möchte so gern zur Aufführung gehen," bemerkte Glara, über den drolligen Ginfall ihres Schwesterchens hell auflachend. „Ach, ich möchte auch hingehen," seufzte klein Annchen, und die sechzehnjährige Grete meinte, auch sie hätte sehr, sehr große Lust dazu, denn Aufführungen seien gar zu schön; dann erzählte sie den jüngeren Schwestern wohl zum hundertsten Wale, wie entzückend es damals im Unterhaltungsabend des Wüllerschen Konservatoriums gewesen sei. Das Billet dazu hatte sie von ihrer Freundin zuin Geburtstag als Geschenk bekommen. „Seit ich damals als kleines Wädchen mit Tante Olga im Girkus war, habe ich nichts derartiges mehr gesehen," sagte Anna wehmütig und fügte gleich darauf hinzu: „Und Du, armes Glärchen, bist überhaupt noch nirgend gewesen, ich wünschte, der Kaiser bescherte mir ein Billet, ich würde es dann gleich meiner guten Glara schenken." Der 'Kaiser erfuhr nun zwar nichts von Glaras Herzenswunsch, aber Glsa Kohn, welche zufällig hinter den Wädchen gegangen war, hatte jedes Wort der Unterhaltung gehört. Was sie da vernahm, eröffnete ihr einen Ginblick in eine für sie völlig fremde Welt. In Reichtum und Überfluß erzogen, war sie nie gewöhnt gewesen, sich irgend etwas versagen zu müssen und konnte nicht fassen, daß diese Wädchen trotz ihres an Abwechselung und Vergnügen so armen Lebens, doch heiter und zufrieden waren. Am liebsten hätte Glsa allen drei Wädchen Gintrittskarten gekauft, aber sie fürchtete, daß sie das von ihr, der nur wenig älteren Witschülerin nicht annehmen würden. Die kluge Glsa fand indes schnell einen Ausweg; sie wußte, daß die Wädchen für Geschäfte arbeiteten, und baute darauf ihren pkm. Zu Hause angekommen nahm sie ein halb fertiges Deckchen aus ihrem Schrank. Gine Stunde später schickte sie ihr Stubenmädchen in die Wohnung der Familie Silberfeld, nachdenr sie ihr genau einstudiert hatte, was es dort sagen solle. Glsas Warna hatte bereitwillig ihre Grlaubnis dazu gegeben. Die drei Schwestern hatten inzwischen ihren Spaziergang beendet und waren mit von der frischen Winterluft geröteten Wangen heimgekehrt. Als Alle fröhlich beim Abendbrot faßen, wurde heftig an der Klingel gezogen. Laura, die älteste, achtzehnjährige Schwester öffnete, die Zwillinge blickten neugierig nach der Thür, und die drei jüngeren Wädchen sahen sich gegenseitig an, ein Besuch zu so später Stunde war doch gar zu merkwürdig.