Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 18 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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274 ^ofd) bofd?ono, 6as baupi 605 3al?i\s, wird nicht becjaiigcn Zur Erinnerung an irgend ein nationales Ereignis, wie einige der übrigen Feiertage, sondern es wurde eingesetzt Zur Eriimerung an das große Werk der Schöpfung. Jn kurzen Worten: das Neujahrsfest ist gleichsam der Geburtstag der Welt. Ein Geburtstag soll ebensowohl eine ernste, wie eine freudige Gelegenheit sein, wenn wir Gott dafür danken, daß er uns wi der ein ^ahr hat vollenden lassen (schehechejonu), so müssen wir auch Nachdenken, ob wir dieses fjahr gut angewendet haben, ob wir irgend etwas erstrebt, etwas erreicht haben, wenn wir ehrlich bemüht find uns zu bessern, und auch einen Erfolg unserer Bemühungen Zn sehen, so dürfen wir nicht nur gute Vorsätze fassen, wenn der Geburtstag des Wahres herannaht, sondern nns auch bemühen, diese Vorsätze nach besten Kräften ausZnführen. Ver Gag soll uns also an die Schöpfung der Welt und dann an unser eigenes Sinnen und Ehnn erinnem (jom hasikoraun). Es ist eine alte Überlieferung unserer weisen, daß vom I. Eischri bis Znm IO., also von Rosch haschono bis Zum versöhnungstage, gleichsain die Bücher geöffnet find, in welche Gott alle unsere guten und schlechten Ehaten des vergangenen stahres eingeschrieben hat. während dieser Zehn Tage, vom l. bis Zum 10. Eischri, welche die 10 „Bußtage" heißen, ist — so sagt die Überlieferung bildlich — unser Schicksal in der Schwebewir werden nach dem werte unseres Lebens gewogen, und wenn wir (wie Bel- Zasar) Zu leicht befunden werden, so müssen wir mit aller Kraft uns bemühen, durch gute Vorsätze und 110 ff bessere Ehaten im folgenden jahrein das Buch des Guten eingeschrieben Zu werden. Bedenket, daß es nie Zu spät Zur Befferung ist. Gott wird den reuigen Sünder wieder aufnehmen und ihn in das Buch des Guten einschreiben, wenn seine Reue aufrichtig ist. Gott wird uns beistehen, daß unsere Reue aufrichtig sei, er wird unser Herz reinigen, nnsern willen stärken und uns vor dem Einfluß des Bösen schützen, das uns mngiebt. Er wird unser schlummerudes Gewissen erwecken und unser Gedächtnis auffrischen, so daß wir seine Stimme hören können und uns wieder manchen alten Lehren Zuwenden, die wir von unseren Eltern und Lehrern empfangen haben. vie 10 Bußtage, während derer, der Überlieferung nach, unsere Ehaten gerichtet und gewogen werden, sollen uns für den großen versöhnungstag vorbereiten, wie in alten Zeiten Zu dem Allerheiligsten im Eempel ein Vorhof führte, so könnten wir diese Zehn Bußtage al; Vorhof Zum versöhnungstage ansehen. wie ihr alle wißt, wird an diesem Eage in unseren Synagogen das Schofar geblasen. vas'Schofar ist ein wiööerhorn und erinnert an den Widder, den Abraham auf 6e:n Aloriah an Stelle seines Sohnes Jaak opferte; erinnert also an die Gottergebenheit Isaaks.