Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 17 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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265 nicht geeignet war, sein besonderes Interesse zu erwecken. Herr Goldstein aber betrachtete seltsamerweise den Ring genauer und schaute, ihn hin und her wendend, sinnend darauf. Dann begann er, den Ring HochfelS reichend! „Betrachten Sie doch diesen Ring, ist er nicht einzig in seiner Art? Ich habe wenigstens noch keinen ähnlichen gesehen. Er ist auch der einzige Schmuckgegenstand, dessen sich mei ie Tochter nur an Festtagen bedient." — Raum aber hatte Hochfeld einen flüchtigen Blick auf den Gegenstand geworfen, als er plötzlich erblaßte und seinen Körper ein heftiges Zittern ergriff, so daß alle in die Schreckensworte ausbrachen! „Um Gotteswillen, Herr Hochfeld, ist Ihnen nicht wohl?" „Hochfeld aber war außer stände, sofort zu antworten, und er bedurfte all seiner Kraft, um einigermaßen wieder Herr seiner selbst zu werden. Die furchtbarsten Gedanken durchkreuzten mit Blitzesschnelle sein Gehirn, die er in diesem Augenblicke noch nicht in Worte fassen durfte. Daher vermochte er nur abgebrochen die Worte über seine bebenden Lippen zu bringen: „Herr Goldstein, — — auf welche weise-sind Sie-in den Besitz-dieses Ringes — gelangt?" Der Angeredete schaute den Fragenden höchst verwundert an und sprach: 1 „Es muß für Sie wahrlich von hohem Interesse sein, darüber Auskunft zu erhalten. Nur kann ich mir weder Ihre soeben wahrgenonunene Erregung, noch Ihr besonderes Interesse erklären." „Nun, so möge Ihnen dieser Ring, das getreue Ebenbild jenes beschädigten, die Erklärung geben!" — — Bei diesen Worten zog Hochfeld seinen Ring hervor, den er aus Rücksicht auf den Dienst nicht an dem Finger, sondern an einem Bande am Halse trug, nnd der dem beschädigten zum Verwechseln ähnlich sah. Beide zeigten dieselbe Form. Nun aber wurden die Goldstein'schen Eheleute von einer mächtigen Erregung erfaßt. Bestürzt sahen sie sich einander an. Dann begann Herr Goldstein mit zitternder Stimme! „Dieselbe Frage, die Sie soeben an mich richteten, gebe ich Ihnen jetzt zurück, wer gab Ihnen diesen Ring?" „Diesen Ring," erwiderte Hochfeld, „besitze ich schon seit meiner frühesten Kindheit. Mein Pflegevater händigte ihn mir ein, nachdem meine Mutter mich verlassen. Später teilte mir dieser mit, meine Mutter habe zwei solcher Ringe besessen . . . . " Hier unterbrach der Vater Almas, die noch immer in sprachlosem Erstaunen und fragende Blicke^ von dem einen zum andern werfend, da« gesessen, den Sprechenden und begann hastig, indem er sich erhob: „Hier liegt in Wahrheit eine wunderbare Verkettung mannigfacher Umstände vor. Herr Hochfeld, folgen Sie mir ins Nebenzimmer, ich erzähle Ihnen die Geschichte dieses Ringes."... (Fortsetzung folgt.)