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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 15 (1897) · p. Seite 225

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
15 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 225 (sequence 1)
Language
German
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■7 Sehnsucht nach Jerusalem. Aus dem hebräischen des Zehuda halevi übersetzt von Dr. S. Kristeller. Du schöne Stadt, du tust der Welt, Du einst des Königs Stadt genannt, wie sehnet sich zu dir mein Geist Hier aus dem sernen Abendland. G hüben Adlerschwingen mich Und siihrten mich zu dir, o Stadt, Ich weinte bis der Thränen Flut Den heil'gen Staub gesättigt hat. Mein Busen wagt, mein Derz erglüht, Gedenk ich der vergangenen Zeit, Ach daß zerstört ist deine Pracht. Ach daß dein Tempel ist entweiht: Liebkosen möcht' ich jeden Stein Und pressen ihn an meinen Mund, Denn süßer mir als Donig däucht O Zion, dein geweihter Grund. _ Nach dir, nach dir verlange ich, Gb auch dein König nicht mehr thront. Gb auch, wo Gilead's Balsam floß, Nun Gtter haust und Schlange wohnt. Der 9- Ab. Ju der ganzen ereignisreichen Geschichte des jüdischen Volkes hat wohl kein Tag eine so hohe Bedeutung für uns erlangt wie der 9. Ab. Alljährlich, wenn die Strahlen der Sonne die Früchte znm Reisen bringen, wenn alles in der Ratur uns zum Genüsse einladet, ziehen in Jsrael drei Wochen (doui 17. Januar — 9. Ab) vorüber, die man die Trauerwochen nennt. Da blicken wir aus der freudigen Gegenwart zurück in die traurige Vergangenheit, um aus ihr Lehren für die Zukunft zu entnehmen. wir sehen die großen Propheten, den warnenden Jesaia, den klagenden Jeremia, wie sie das Volk von seinem schlechten Wege abznbringen suchen, wir hören ihre strafenden Reden und entnehmen daraus, wie vergeblich ihre Worte waren, wir sehen die Scharen der Babylonier heranziehen, wie sie das Land verwüsten und nach langen Kämpfen Jerusalem einschliehen. jast ein Jahr dauert die Belagerung, bis die fremden Eroberer am 17. Tamus die Älauern ersteigen und in die Stadt eindringen. Aber noch drei Wochen müssen sie kämpfen, ehe es ihnen gelingt, am 9. Ab den Tempel, die letzte Zuflucht der Juden, in Brand zu stecken und öaniit das Ende des jüdischen Staates herbeizuführen. wir wandern mit unseren Vorfahren weiter, sehen ihre Gefangenschaft, begleiten sie wieder in die Heimat und freuen uns an dem Baue des zweiten Tempels, wir nehmen teil an dem regen geistigen Leben, das sich nun ent- Israel. Jugendfreund.

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