Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 13 (1897) · p. Seite 202

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
13 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9621876--0654-9621886
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dit sich gewiß ist, muf hier, wie sehr sich auch unsere Begriffe von menschenwürdiger Behandlung und Schonung des Feindes dagegen sträuben mögen, dennoch als eine Rettung angesehen werden, zumal in einer kriegerischen Zeit, wo die Pflicht der Selbstverteidigung an jeden Einzelnen mit gebieterischer Gewalt herantritt. Andererseits wird die Abwendung einer Gesahr für die Gesamtheit geradezu als ein Gebot der Menschenliebe angesehen. Zn einer (obrede aus die israelitischen Frauen bemerkte einst der geistreiche Adolph Ervmieux zu dieser Stelle! „Betrachten wir hier die beiden Frauen neben zwei Männern, Deborah neben Barak, Zaöl neben Sisera. Gott hat dem Weibe die Überlegenheit verliehen." — Lag doch die weitere Gefahr nahe, es könnte dieser gefürchtete Häuptling eine neue Schaar samnreln und einen verzweifelten Angriff machen, dessen Ausgang nicht abzusehen gewesen wäre. Von diesen Gesichtspunkten aus wird es uns begreiflich und erklärlich, wie der Blut dieses Weibes selbst von einer Deborah verherrlicht und gepriesen werden konnte. Der Kampf war zu Ende, das Volk hatte ^0 Jahre Ruhe. Sieggekrönt zogen Deborah und Barak heim, jene zu ihren: Berufe als Friedensstifterin, dieser im gehobenen Bewußtsein ein heiliges Werk mit so großen: Erfolge und zun: Segen feines Volkes vollführt zu haben. Die Kriegswaffen ruhten, aber die gefeierte Heldin Deborah ruhte nicht. Zn das Gedächtnis der Volksseele nmßte dieser Freiheitskan:pf für alle Zeitei: eingegraben werden. Sie stinnnt den: Herrn ei:: Siegeslied an, dem: Gottes war der Kampf, ihn: gebühre h>reis und Dank, nicht der Kriegsschar :n:d nicht ihren Führern, denn sie seien nur die Werkzeuge gewesen, ihnen könne nur ein geringer Teil an den Errungenschaftei: dieses Sieges Zufallen. Ein gewaltiger Hymnus voll hohen dichterischei: Schwuiigcs ist das Deborah.Lied, das in: Buche der Richter') eine bleibende Stelle gefunden. Einige Verse desselben feien auch hier wiedergegeben: „Zöret, ihr Könige, merket auf, ihr Fürsten, Dem Ewigen will ich singen, Die Saiten rühren, dem Gotte Israels!« „Mein Zerz gehört den Führern Israels, Denen, die sich willig hingeben dem Volke, preiset den Ewigen!" „So mögen alle deine Feinde, o Zerr, untergeh'n, Deine Freunde aber mögen sein, wie der Aufgang Der Sonne in ihrer Herrlichkeit!" So sang ein israelitisches Weib, so sang Deborah, eine Mutter in ZS. rael, wie sie sich selber zu nennen pflegte. Za, :::it mütterlicher Liebe umsing sie die Kinder ihres Volkes, für die sie gesonnen und gewirkt, und Liebe und Verehrung war der Lohn ihrer Thaten, die mit unverlöschlichen Zügen in den: heiligen Buche für alle Zeiten eingezeichnet stehen. i) Siehe Richter, K. 5.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.