Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 10 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Ihr Schwalben, wißt ihr, was ihm geschehn? Ich muß ja vor Traurigkeit vergehn; Aehrt Aai mir zurück denn ninnner? Die (eute sagen all, er sei tot, Im nahen Flusse versunken. Ich frage dich, leuchtendes Abendrot, Tuch Blümelein frag' ich in meiner Not, Ist wirklich mein Aai mir ertrunken? So klaget Gerda und macht sich auf, Gilt, hin zum Strom in raschem (auf, Tin Nachen liegt am Strande, Sie stößt geschwind vom (ande. Tin Vög'lein kurzes Geleit ihr gab, Dann gleitet allein sie den Strom hinab. Der Fluß führt sie zur alten Frau, Die zaubern konnte. Rot und blau Des kleinen Häuschens Fenster waren. Und als in Gerda's (ockenhaaren Die Frau nun kämmt, durch Zauberei Vergißt das Mädchen ihren Aai, Springt fröhlich in der Sommerluft Im Zaubergarten voll Blütenduft. ' Schon viele Monde war sie hier.! Da, eines Abends sah sie vier Ganz große Rosen auf dem Hute Der Alten, und mit einem Male U)ard ihr ganz sonderbar zu Mute. Die andern Rosen hatte alle Die Alte fortgehext, indessen, Am Hute, die hat sie'vergessen. Als nun klein Gerda diese sah, Ganz ernst und traurig ward sie da, And auch ihr altes (iedelein Von ihren Rosen fiel ihr ein: „Irdische Rosen blüh'n und vergehen, Twige Freuden werden wir sehen." Nun ward es dem Ainde wieder klar, Weshalb in die Welt sie gezogen war, Schlich heimlich sich hin zur Gartenpforte, Tntfloh vorn warnren, traulichen Grte. Ach, draußen war es bitter kalt. (ang irrt' sie allein im tiefen Wald Viel Tage und Nächte, die Areuz und ^uer; Sie hungert und dürstet und frieret sehr. Tinst winkte ihr Hoffnung, auf einem Schloß Vermutet sie Aai. Durch der Diener Troß Schleicht sie des Nachts, sieht ihm in's Gesicht, „Ach himmlischer Vater, er ist es nicht." Das prinzliche paar, zürn Angebinde Bescheerte einen Wagen dem Ainde Aus purem Golde, vier Pferdchen dazu, Auch Aleider und Muff und warme Schuh. Alein Gerda dankte bescheiden und fein, Zog weiter dann in die Welt hinein. (Schluß folgt.)