Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 9 (1897) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
9 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 143 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9621808--0591-9621823
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sie machen Wänner, deren Leben dem Dienste des Ewigen geweiht sind, lächerlich; sie ehren ihre Eltern nicht, sie lasten es an der nötigen Achtung gegen ihre Lehrer fehlen und versagen älteren Leuten die schuldige Ehrerbietung, ja, es giebt leider auch Buben, die sich auf ihre Streiche etwas einbilden und damit prahlen. Sic alle sind nicht bester als die Straßenbuben vcn Bet-Ll. Wie eine Stadt durch das schlechte Betragen von Kindern in schlinmren Ruf kornmen kann, so droht auch Ländern Unheil und Verderben, wenn das auswachsende Geschlecht die Gefühle der Ehrfurcht und Ehrerbietung gegen Gott und Wenschen nicht besitzt. Jerusalem mußte fallen und der jüdische Staat seine Selbständigkeit einbüßen, weil unter den jungen Leuterr Gottlosigkeit mrd Wißachtung von Gesetz und Sitte überhand nahnrcn. Ähnliches läßt sich über das Hellenentum sagen. Es wird uns berichtet, daß einstmals athenische und spartanische Zünglinge bei den olympischen Spielen getrennt auf Bänken Platz nahrnen und sie vollständig besetzt hielte':. Da kam ein Greis herbei, der sehr gern auf einer Bank ausgeruht hätte. Während die jungen Athener keine Neigung zeigten, dem Wanne einen Platz anzubieten, erhoben sich Spartas Jünglinge sofort einmütig, um dem Greise einen ihrer Plätze zu überlassen. Da äußerten die von Athen ihren lauten Beifall. Der alte Wann wandte sich um und sagte: „Schön, sehr schön, die jungen Athener wissen das Gute, aber die jungen Spartaner thun das Gute." Diese Begebenheit trug sich in Olympia zu zur Zeit, als der athenische Staat seinem Untergange nahe war. , Auch heutzutage erlebt man es nicht selten, daß Kinder sich gegen ältere Personen ungebührlich oder doch gleichgiltig verhalten. Wie oft sieht man z. B. Schulknaben irn Straßenbahnwagen sitzen, während Erwachsene stehen müssen. Auf solche wird man auch manchmal den Ausspruch des Greises von Olympia anwenden können: „Diese jungen Leute wissen unzweifelhaft, was gut ist, aber sie thun es nicht." Ein altes Sprichwort lautet: „Wie die Alten fangen, so zwitschern die Zungen." Es ist ganz in der Ordnung, daß Kinder den: Beispiele Erwachsener folgen, sofern diese das Gute üben. Wan wird aber leider oft finden, daß jüngere Leute das Gute bei anderen nicht beachten, dagegen geneigt sind, Beispiele der Bosheit und Schlechtigkeit nachzuahmen. Sie fluchen und schimpfen, weil es Altere thun, ohne daran zu denken, daß es eine Sünde sei, seine Wuttersprache einem so unwürdigen Zwecke dienstbar zu machen. Sie maßen sich ein ungünstiges Urteil über Personen an, deren Bedeutung sie noch garnicht würdigen können, aber bei näherer Prüfung stellt es sich heraus, daß sie es abgelauscht haben. Sie treiben Spott mit Andersdenkenden und Andersgläubigen, weil es ja auch die Großen thun. Zn allen diesen Fällen treibt man mit der Empfänglichkeit des Kindes ein gefährliches Spiel. Nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.