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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 5 (1897) · p. Seite 66

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
5 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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— 66 — Dankbarkeit und Undankbarkeit Eine Purim-Betrachtung von Dr. B. Kuttner. Ain Adar, b. i. (in diesem Jahre) am \8. März, feiern wir wieder purim, das Fest, welches uns Haman, der Todfeind der Juden, geschenkt hat. Ihr wißt es, wie er alle Juden des persischen Reiches an einem Tage töten lasten wollte, weil ein einziger Jude, Ulordechai, ihm nicht die verlangte Ehre erweisen wollte. Aber sein thörichter Ehrgeiz und seine Grausamkeit fanden ihreit Lohn: die Juden wurden gerettet, er selbst aber kam um. wunderbar genug ist diese Rettung der Juden. Eine große Rolle spielten aber dabei die Dankbarkeit und Undankbarkeit. Zunächst die Dankbarkeit Esthers gegen Mordechai. Ulordechai hatte sie, die eine Waise war, als Tochter angenommen, und sie hatte sich bemüht, ihm eine brave nnd dankbare Tochter zu sein. Der Dank der Rinder gegen Eltern besteht aber vor allem im Gehörs am, im sofortigen, freudigen Gehorsam. Dirsen Gehorsam hat Esther ihrem Pflegevater innner bewiesen. Als Ahasverus nach der Verstoßung der Königin vaschti sich eine andere Gemahlin aussuchen wollte, und deshalb alle schönen Jungfrauen nach seiner Winterresidenz Zusa berufen wurden, sandte Ulordechai auch seine schöne und bescheidene Pflegetochter Esther in das königlicke Frauenhaus. Aber er verbot ihr zu sagen, daß sie Jüdin sei. Ob er fürchtete, sie würde als Jüdin nicht so freundlich behandelt werden? Jedenfalls gehorchte sie dem Ulordechai. Ja, als sie schon Königin war, also daher nicht mehr unter seiner Gewalt stand, gehorchte sie ihm noch ebenso wie zur Zeit, als sie noch in seinem Hause war. Im Buche Esther wird das ausdrücklich gesagt (2,20). Und als Bigtan und Teres, zwei Palastwächter, sich gegen den König Ahasverus verschworen, um ihn zu töten und Ulordechai von dieser Verschwörung der Esther Mitteilung machte, berichtete sie es dein Könige im Namen Ulordechais; sie wollte nicht selber damit prahlen, sondern den Dank des Königs d e m' zukommen lasten, dem er gehörte, nämlich dein Ulordechai. Auch darin zeigt sich ihre treue und dankbare Gesinnung gegen ihren Pflegevater. Und als Haman den grausamen Befehl hat ergehen lassen, am 13. Adar alle Juden im Reiche töten zu lassen, ist es Esther, die wiederum dem Worte Ulordechais gehorsam, es wagt, den gefährlichen Gang zum Könige zu machen; denn dieser Gang war nüt Lebensgefahr verbunden, weil jeder, der ungerufen vor dem Könige erschien, mit denn Tode bestraft wurde. Aber das Wagnis gelang, und die Juden wurden gerettet. Diese Anhänglichkeit Esthers an ihren Pflegevater wird aber auch von Ulordechai anerkannt, und er hängt wiederum in dankbarer Gesinnung an Esther und ist innner um sie, auch da sie nicht mehr in seinein Hause ist; täglich erkundigt er sich nach ihrem Wohlergehen; er hält sich anfangs in der Nähe des Frauenhauses und später, als sie Königin geworden ist, in der Nähe des

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