Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 23 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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366 gesetzte Übung eine leidliche Fertigkeit auf dem Klavier, der Geige oder im Gesänge erworben, ihr habt mit Hilfe eurer Lehrer oder Lehrerinnen eine prächtige Landarbeit, eine hübsche Zeichnung oder Malerei gefertigt, ihr habt für den „Jugendfreund" Rätsel, kleine Gedichte, eine preisarbeit oder gar eine kleine Erzählung geliefert, ihr seht euch „gedruckt," und nun sprechen die Erwachsenen in der Gesellschaft euch ihr Lob aus; was werdet ihr in diesem Falle thun? Werdet ihr stolz auf eure Leistungen sein und diese Huldigungen wie ein König den ihm schuldigen Tribut entgegennehmen? Werdet ihr nunmehr auf euren Lorbeeren ausruhen oder gar „Kunstreisen" machen, d. h. in jeder Gesellschaft eure Finger-, Gesangs- und Gedächtnisleistungen vorführen, unter die „Schriftsteller" gehen, euren „Vnkel Jugendfreund" mit euren Einsendungen belästigen oder andere Jugendzeitschriften um den Druck eurer Erzeugnisse bitten? — Werdet ihr nicht lieber zuerst und zu allermeist eure Pflicht in der Schule thun, eure Lehrer und Eltern stets durch gute Zeugnisse, so wie das erste gewesen ist, erfreuen und die sogenannten „freien Künste" nur in euren Mußestunden betreiben, aber still und bescheiden bis ihr wirkliche Künstler geworden seid? —Bedenket meine lieben, jungen Freunde, wie wenig wirkliche gottbegnadete Musiker, Sänger, Dealer, Schauspieler und Schriftsteller giebt es, und wie viele gehen trotz der beständigen und eingehenden Beschäftigung mit ihrer Kunst zu gründe, weil ihr Talent nicht ausreichend genug ist! Sie sind also für ihre Kunst, aber auch für die gesamte Menschheit verloren, der sie durch Ausbildung ihrer anderweitigen bescheidenem: Fähigkeit vielleicht unendlichen Nutzen hätten bringen können! Und ihr, meine lieben, jungen Freunde, wolltet euch für Aünstler halten, ihr wollt nicht bescheiden, aber entschieden das übermäßige, wenn auch gut genreinte Lob eurer Eltern, Verwandten und guten Bekanrrten ablehnen? — Nein, mein junger Freund, bleibe ein Aind unter Ainderrr, erfreue deine lieben Angehörigen und deine Lehrer durch deine kleinen Künste, suche Erholurrg voir der anstrengenden Schularbeit in der erhebender: und anregerrder: Kunst, aber „hast du im Thal ein sicheres Haus, dann wolle nicht zu hoch hinaus!" — (Schluß folgt.) (Ltzanukabspiele. von m. Freund - Bodenbach. Jedes Fest, das wir Israeliten feien:, hat außer den religiösen Pflichten, die uns in: Gottes- und im Wohnhaus obliegen, noch gewisse Gebräuche bis auf unsere Zeit gebracht, die demselben auch ein gewisses ernstes oder