Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 21 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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geöffnet? Line kurze fause — eine Thür thut sich auf — ja das Knarren dringt an ihr Ohr — aber der Wind schlägt die Thür wieder zu. — wie von unsichtbarer Hand geführt, geht Selmar auf die Thür zu, drückt vorsichtig auf das Schloß — ja, die Thür ist offen, und in denr nächsten Augenblick befinden sich die drei Gefangenen aus dem Dache des jDlantagenhauses. Sie schritten der Richtung zu, wo die nach unten führende Treppe sich befand. Sie hatten bereits den Fuß auf die erste Stiege gesetzt, — da krachte ein Schuß durch die Nacht, welchen! bald daraus ein zweiter und ein dritter folgte. Bei dem letzten sank der Engländer mit dem Ruse nieder: „Ich bin getroffen, ich kann tiicht weiter". — Unten waltete die Finsternis der Nacht fort, erhellt nur durch das Ausblitzen der abgeseuerten Schüsse. Selmar versuchte mit seinem Gefährten, den Engländer auszurichten und wieder aus das Dach zurückzubringen. was nun thun? — Der Schrecken lähmte fast ihre Glieder. Vergeblich ließen sie ihre Blicke ringsum schweifen, sie vermochten die Finsternis nicht zu durchdringen. Unten begann jetzt ein reges Leben. Rat lauten! Getöse wurden die Thüren der Negerhütten geöffnet und wieder geschlossen. Fackeln wurden angezündet; aber nur wenige Sekunden — so wurden sie wieder vom winde verlöscht. Hin und wieder sah man dunkle Gestalten in lausender Bewegung. Jetzt stürmten die Ausseher, von einem Trupp Neger gefolgt, die Treppe herauf. Die Gefangenen zogen sich nach der hinteren Seite des Hauses zurück. Der vom Sturnr gepeitschte See schlug seine Wellen brausend und schämnend ait die Hinterwand des jAantagenhauses. Ratlos und der Verzweiflung nahe standet: die Gefangenett da. Zurück in den Turnr wolltet! sie keineswegs, dentt sie berechneten gatiz richtig, daß ihre Befreier wohl in Thätigkeit seit! nrüßten uitd sie ihnen die Arbeit hierbei tticht erschweret! dürftet!. „Hiiteii! in dett Turm, oder wir schießen auf euch!" — donnerte von der Truppe aus die Stinnire eines Aufsehers, indett! er das Gewehr auf die Gefangetteit anlegte. Diese verbliebet! in ihrer Stellung. Ungefähr 20 Schritte von dieser nächtlich schaurigen Szene entfernt kauerten in einer Bodensenkung mit geladenen Büchsen in der Hand drei wänner. Ts waren unsere Freunde Rodenhein und Lindenberg und der Araber, bei den! sie wohnten. Sie hatten noch ein ihnen von Heb zu gebendes Zeichen abzuwarten, bevor sie aus ihren! Verstecke hervordringen durften. Es sollte ein in der Pflanzung liegender Holzschuppei! in Brand gesteckt, und die hierdurch entstehende Bewegung zur Befreiung der Weißen benutzt werden. Der erste Schuß, der gefallen, war von einen! Aufseher abgegeben worden, der durch einen besonder!! Zufall auf die Flucht der Gefangenen aufinerksain getnacht worden war. Der wind hatte einen Fensterflügel seiner Wohnung aufgerissen, und als er denselben wieder schließen wollte, inachte er die Wahrnehmung, daß die Gefangenen auf den! Dache sich befanden. Er weckte schnell einen seiner Kameraden und hierdurch entstand der Alartn. In höchster Erregung beobachteten die in der Bodensenkui!g Kauernden die Vorgänge. Ihr Atein stockte, kalter Schweiß drang aus ihren.Poren, als sie nur zwei Gefangene sahen und diese von ihren Verfolgern an die hintere Seite des Hauses zurückgedrängt, wo ihnen nichts weiter übrig bleiben koni!te,