Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 19 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gehorsam und Pietät. von Regina lleißer. Jd) möchte heute einen ungemein wichtigen Punkt für (kure Gemütsitnö Herzensbildung mit Eud) besprechen, meine lieben jungen Freunde und Freundinnen, den Gehorsam gegen die Eltern und die Ehrfurcht vor dem Alter. Jn meinen Augen ist es das höchste Lob, das man einem Kinde spenden kann, wenn man es als „ein gehorsames Kind" bezeichnet, ich meine bannt nicht kleine, sondern vielmehr größere Kinder, da kleine Kinder die Bedeutung des Begriffes „Gehorsam" noch garnicht zu fassen vermögen. Die Liebe der Eltern, und besonders der jüdischen Eltern Zu ihren Kindern ist unbegrenzt; sie ist die edelste, treueste Liebe auf Erden, weil sie die selbstloseste ist; sie fordert nichts, sie giebt nur; kein Gpser ist jüdischen Eltern zu groß, keine Entbehrung Zu hart, keine Blühe Zu schwer für ihre Kinder; ihr Herzblut würden sie tropfenweise freudig hingeben, könnten sie dantit das Glück und das Wohlergehen ihrer Kinder für deren ganzes Leben erringen! Blöchtet M, meine lieben jungen Freunde und Freundinnen, Euch dies stets vor Augen führen, möchtet M bei allein, was Cure teuren Eltern Euch Zu thun oder Zu unterlassen gebieten, stets bedenkep, daß Eltern nur das Beste ihrer Kinder wollen, nnö es Eure heiligste Pflicht ist, nicht nur den in Worten, sondern schon den nur in Blicken ausgedrückten wünschen Eurer Eltern Folge Zu leisten. M, liebe Kinder, die M ja größere, verständigere, gutgeartete Kinder seid, werdet gewiß and) zn allen Zeiten bemüht sein, Euren Eltern für alle ihre Blühen und Sorgen, für ihre Liebe und Aufopferung um Euch Freude zu bereiten. „Ehre Vater und Blutter" könnt W Euren Eltern jedoch am besten durch Gehorsam bethätigen, und da „ehren" auch „ehrfürchten" heißt, so werdet W Euren Eltern in Euren: Gehorsam auch Eure Ehrfurcht bezeigen. Hieran schließt sich naturgemäß der Zweite Teil dieser Betrachtung: die Ehrfurcht vor dem Alter. Bleine Erinnerungen reichen nicht viel über vierzig Mre Zurück. „Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir ach so weit." vor dein geistigen Auge der alternden Frau steigen die sonnigsten Erinnerungen an goldene, glückliche Kind- und ^ugenözeittage auf und damit das Bild Zweier ehrwürdiger Patriarchengestalten, Zweier geliebter, verehrter Großväter. ^ch bin in einer kleinen Stadt der Provinz Posen geboren und ausgewachsen, und mit der Erinnerung an meine verewigten teuern Großväter ist die an eine stattliche Anzahl frommer, alter, ehrwürdiger, gelehrter Herren, die damals in meiner Vaterstadt lebten und meinen Großvätern befreundet