Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 17 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9620171-9621231-9621515--0301-9621524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
265 Brust des christlichen wie des jüdischen Kämpfers durchbohrt. Ja liebe Kinder, alle, alle, die in den Kampf gezogen waren, haben Gut und Blut eingesetzt für des geliebten Vaterlandes Sicherheit. Im vorigen Hefte des Jugendfreundes haben wir Guch von den Heldenthaten unseres Glaubensgenossen Karfunkelstein erzählt. Gin freund und Gönner unseres Blattes hat uns nachstehendes Gedicht zugeschickt, das jene Thatsache voll und ganz bestätigt. Hier der Wortlaut des Gedichtes: Die Fahne von Le Bourget. Von George Baron Dyherrn. Am dreißigsten Mktober, Das war ein Kämpfen beiß, wieder die preußische Garde Errang den höchsten hreis. Da stürmten die Grenadiere )m lauten hurrah heran, Die wacht am Rhein ertönte, hoch fiog die Fahne voran, Und als sie im Kugelregen Durchlöchert zu Boden stel, Karfunkelstein, der brave, Rafft auf sie im Kampfgewühl. Und als er todesmutig Das wehende Banner hält, wird seine Brust getroffen, Und wieder die Fahne fällt. Da stürmt heran Bndritzki, Der greise General, Aus seinen Augen stammt es, wie glühender Rordlichtstrahl. Die Fahne faßt gewaltig Die linke Eisenfaust, Und in der Rechten der Säbel wie zündender Blitzstrahl saust. Jedweder Stein wird Schanze, Zur Festung jedes Haus, Die Grenadiere fallen wie Eichen in Sturmesbraus, hoch über den Heldenleichen Ragt siegreich in die höh', Gefärbt von edlem Blute, Die Fahne von Le Bourget. Fast 000 Israeliten kämpften in den Reihen unseres siegreichen Heeres. Viele von von ihnen sind den Heldentod gestorben, viele sind befördert und ausgezeichnet worden. Unter den letzteren verdient mein Landsmann Saul Daus hervorgehoben zu werden, dem der hochselige Kaiser Wilhelm I. das Giserne Kreuz eigenhändig verlieh. An diese Auszeichnung knüpft sich ein nur unvergeßlicher Vorgang. Ich besuchte damals noch die jüdische Glementahchule in W. Welchen Gindruck die erinnerungsreichen Tage auf unser jugendliches Gemüt machten, läßt sich nicht beschreibet:. Wir Jungen folgten in: Geiste dem mutigen Heere von Schlacht zu Schlacht, von Sieg zu Sieg. Die fast täglich einlaufenden Depeschen unser::: lieben Lehrer Uk. — Friede sei mit ihm — zu bringen, war meine Aufgabe, wahrscheinlich weil ich an: besten laufen konnte. Denn die Grwartung neuer Bachrichten war immer aufs höchste gespannt. Daß in dieser bewegten Zeit :::anche Stunde — trotz der größten Gewissenhaftigkeit unseres Lebrers — aussiel, wird vielleicht den Neid manches Knaben Hervorrufen; aber — nebenbei bemerkt — wir haben nach dem Kriege, alles nachgeholt. Gs war an einem heißen Vonnittag. Wir