Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 15 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Denkmal in seinem hauptsächlichsten Teile, nämlich dem Innern, welches die berühmten bildlichen Darstellungen enthält, unversehrt geblieben; nur die äußere Form ist im Jahre s82ö durch Pius VII. der ursprünglichen Anlage möglichst entsprechend wiederhergestellt worden. Der Zerstörungswut barbarischer Worden sowie der alles vernichtenden Zeit trotzend, erscheint es unvergänglich und unzerstörbar, geradeso wie das Volk, an dessen Untergang und gänzliche Vennchtung es die Ulit- und Bachwelt erinnern sollte. Doch die Zeiten ändern sich. Aus dem Zeugnis der Leldherrngröße und der kriegerischen Tugenden des Römerreiches ist der Triumphbogen ein Zeichen der Vergänglichkeit menschlicher Größe und menschlichen Ruhmes geworden. Das große weltgebietende Rom unternimmt einen Vernichtungskrieg gegen das kleine durch innere Parteikämpfe geschwächte Juda und vermag es nicht zu überwinden. Drei Jahre lang dauert dieser ungleiche Kampf, ein Imperator löst den andern vor den Blauen: Jerusalems ab, von den äußeren Grenzen des ungeheuren Weltreiches muß die mächtige Roma, die Gebieterin der Welt, Heere herbeirufen, um endlich das mehr durch Hunger und beuchen, als durch das Schwert besiegte winzige Juda zu Boden zu werfen. Und das stolze Rom schämt sich nicht, den so teuer erkauften Sieg in diesen: höchst ungleichen Kampfe durch ein glänzendes Denkmal mit Reliefs von höchstem künstlerischen werte zu feiern. wahrlich, die Juden thun unrecht, wenn sie, wie es heute noch geschieht, dieses Denkmal scheu umgehen und den Blick von den künstlerischen Darstellungen im Innern des Durchgangsbogens abwenden. Das eine dieser Reliefbilder läßt den Zug der gefangenen Israeliten sehen, welche von römischen lorbeergekrönten Soldaten samt der reichen Beute aus dem Tempel zu Jerusalem im Trimnphe ausgesührt werden. Da sieht nun: jene heiligen Geräte, deren Fracht und Herrlichkeit einst unter den Völkern des Altertums gerühmt wurden. Ulan erkennt deutlich den siebenarmigen goldenen Leuchter, dessen Schaft und Arme aus Knäufen und Blüten bestehen, den Tisch der Schaubrote, die Iubeltrompete und die Posaunen zur Ver« kündigung des Jahresanfangs. was fronnne Opferfreudigkeit, gepaart mit künstlerischer Begeisterung, einst zur Ehre des Linig-Einzigen geschaffen, es wandert jetzt in die Schatzkammer des kapitolinischen Jupiter. Die Götter aus Holz und Stein, aus Gold und Silber, die Gebilde menschlicher Phantasie und künstlerischen Schönheitssinnes, sie scheine,: zu siegen über den Gott der Wahrheit, der sinnlich nicht wahrnehmbar und nicht darstellbar ist, den kein Auge je gesehen hat, und den kein Gedanke erfassen kann. Die Opferflammen auf den: Altäre zu Jerusalem sind erloschen für ewig, jene herrlichen Lieder der Leviten auf innner verklungen. In Ron: aber steigen den Götten: des Olymps und des Kapitols Wohlgerüche über Wohlgerüche en:por, ihnen ercklingen Iubelhyn:nen und Siegeslieder, ihnen zu Ehren werden die herrlichsten Spiele *) Aus der Mche bervortreteude Bildwerke.