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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 13 (1895) · p. Seite 201

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
13 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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201 ununterbrochen daheim 6tc größte Liebesthätigkeit übten, wenn es je noch eines Beweises dafür bedurfte, daß die^uden Deutschlands in ihrer vaterlanösliebe ihren christlichen Brüdern durchaus nicht nachstehen, hier ward er zur Genüge geliefert. Alit derselben Freudigkeit und Hingebung wie die andersgläubigen Deutschen eilten auch eure Väter und Brüder, ihr lieben Kinder, Zn den Waffen*), beteiligten sich auch eure A lütter und Schwestern an den Arbeiten werkthätiger Liebe. Ls war ein bedeutsames Zusammentreffen in dein an wunderbaren Schiksalsfügnngen so reichen Leben König Wilhelms, daß an jenem verhängnisvollen lcl stuli 1 $70 gerade eO stahre verflossen waren, seit er am Sterbebette seiner heißgeliebten Aintter Königin Lnise gestanden hatte. Der vebermut des französischen Eroberers, des rücksichts- und herzlosen Korsen, hatte inmitten Deutschlands tiefster Erniedrigung das Herz der edelsten deutschen Fürstin und Frau gebrochen! Für das Leid, das Frankreich einst seiner Alntter bereitet hatte, sollte nun der greise Sohn in dem bevorstehenden Kriege die letzte Sühne fordern und im Stirne ter deutschgesinnten Fürsten das deutsche Reich wieder anfbanen. Knieend am Sarge seiner Eltern im Mausoleum Zn Charlottenburg, der Wallfahrtsstätte des deutschen Volkes, gelobte König Wilhelm, das Wort seiner Mutter einzulösen, und den vom Erbfeinde einst verdunkelten prenßischen Ruhm (1806/7) Zurückzngewinnen. Lin preußischer Dichter, George Hesekiel, hat jenen ergreifenden Moment: „König wilhem am Grabeseiner Eltern," damals in nachstehenden Versen besungen: „Zu Lharlottenbnrg im Garten stn den öüstern Fichtenhain Tritt, gesenkt das Haupt, das greise, vnser teiwer König ein. vnd er steht in der Kapelle, Seine Seele ist voll Schmerz, Drin zli seiner Eltern Füßen Liegt des frommen Bruders Herz. An des Vaters Sarkophage Lehnet König Wilhelm mild, vnd sein feuchtes Auge ruhet Auf der Mutter Marmorbild. „Heute war's vor sechszig fahren" Leise seine Lippe spricht, „Als ich sah zum letzten Male Meiner Mutter Angesicht." „Heute war's vor sechszig fahren, Als ihr deutsches Herze brach, vm den Hohn des bösen Feindes, vm des Vaterlandes Schmach! stene Schmach hast du gebrochen Längst, mein tapfrer Vater, Du, Aber Frankreich wirft aufs neue Heute uns den Handschuh zu. *) Mein Ulanii hat den Feldzug 1670/71 als Landwehrinann mitgemacht. r v i

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