Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 13 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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199 daß ich nicht blos mit Ihren geschäftlichen Leistungen zu allen Zeiten zufrieden gewesen bin, sondern daß auch Ihre sonstige Führung eine in allen Beziehungen lobenswerte war. Der Umstand, daß Sie als Jude inmitten meines übrigen nur dem christlichen Bekenntnisse ungehörigen Personals mir vor allen nahe standen, hat Ihnen bereits mein besonderes Vertrauen dargelegt. Aber es erlangte noch einen ungleich größeren Grad dadurch, daß ich jetzt meinem Lohne die Reise nach Afrika nur in Ihrer Gesellschaft gestatte. Ich weiß eben wohl, daß er in Ihrer Eharakterfestigkeit eine sichere moralische Stütze finden, wie er in Ihnen den treuen Gefährten haben wird, bei alledem, was ihm dort in den Wildnissen der unkultivierter! Länder begegnen kann." — „Ich danke Ihnen, Herr Lindenberg, für das Vertrauen, das mich im höchsten Grade ehrt, und dessen mich würdig zu machen, ich als die schönste Ausgabe nreines Lebens betrachten werde." „hierin wären wir also einig, mein lieber Rodenhein. Indes möchte ich Sic bitten, mir noch einiges Nähere über das Ziel Ihrer Auswanderug mitzuteilen." „Das will ich recht gerne, Herr Lindenberg. Soviel nrir mein Onkel über seinen jetzigen Aufenthaltsort mitgeteilt, liegt derselbe nn Zulugebiet und heißt Piiicl. Von hier aus hatte auch einst ein Aaufmann Robinson und ein Aapitän Ballerstrom ihre ersten Versuche zur Auffindung der Gold- oder Diamantengruben gemacht. Ulein Onkel befand sich damals wohl schon in Südafrika, aber nicht in pniel. Die ersten günstigen Erfolge erregten eine ungeheuer große Bewegung unter den dort wohnenden Fremden. Wer Zeit und Geld hatte, eilte auf Ochsenwagen nach den Diamantenfeldern. So auch mein Onkel. Er kaufte einige Elaims (der Elaim umfaßt 50 Fuß nn Geviert), und die Ergebnisse seiner Gräberei waren so glückliche, daß er sein anfangs nur geringes Vermögen bald bedeutend vergrößert sah. Er ließ sich darauf noch in andere Unternehmungen ein, und sein Geschäft hat inzwischen einen solchen Umfang erhalten, daß er allein ihn: nicht mehr gewachsen ist; er wünscht mich daher bei sich zu haben." „Sie haben also die Absicht, es ebenfalls mit der Diamantengräberei zu versuchen?" „Ich will es. Ulein Oheim hat sich indes darüber noch nicht bestimmt ausgelassen." „Ulein Hugo gedenkt auch Diamantengräberei dort zu treiben, und es wäre nur lieb, wenn er auch solches in Gemeinschaft mit Ihnen thäte." „Ich werde sehr gern dazu bereit sein." „Sie wollen also bereits am fö. von hier abgehen und zwar mit dem Dampfer „Sphinx". „Jawohl mit den: Dampfer Sphinx, Aapitain Scholz." „Es liegen nur noch einige Tage bis dahin vor uns, und es wird Zeit fein, auch meinen Hugo darauf einzurichten. Ich wiederhole es Ihnen nochinals, daß ich in die Reife gewilligt, weil er sie mit Ihnen macht." „Und ich freue!nich, in ihm einen Heisegefährten aus der Heimat zu erhalten, denn wie ich es nur vorstelle, ist es in! fremden Lande schwer, sich jemanden! fester anzuschließen;!nan weiß eben nicht, mit wen! man es zu thun hat." „Sie haben Recht, Sie fasten alles von der praktischen Seite auf, und solche Ulenschen liebe ich. U)ie ist es denn mit Ihren! Bruder in der Schweiz, billigt er Ihre Auswanderung?"