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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 12 (1895) · p. Seite 190

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
12 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 190 (sequence 14)
Language
German
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190 in 6cr Schule ferne, 11116 daß er den heimlichen Wunsch habe, -Cefyrer Zu werden. „Natürlich können wir nicht daran denken, ihm diesen Wunsch Zu erfüllen," fuhr;$rau Werner fort, „wir haben noch sieben andere Mäulchen mit Speise Zn versorgen, und können für ein einzelnes Kind nicht so große Ausgaben erschwingen, wie die Lehrerlanfbahn erfordern würde. Leopold muß sobald wie möglich seinem Vater etwas verdienen helfen. Aber schade ist es, denn er lernt leicht und gern." Aach längerer Unterhaltung, in der der Herr Professor Helm die Ueber- Zeugung erlangt hatte, daß Werners brave Leute waren, ging der alte Herr wieder fort, (kr Zog nun bei Leopolds Lehrer Erkundigungen über diesen ein und erfuhr, daß er in der That ein fleißiger und strebsamer Schüler sei. Herr Helm freute sich darüber und beschloß, sich des braven jungen anZunehmen. Jtt den nächsten Tagen machte Herr Helm der Familie Werner abermals einen Besuch und sagte Zn dessen Eltern: ,,^ch habe die UeberZeugung erlangt, daß flhr Sohn Leopold nicht nur ein gutherziger, sondern auch ein fleißiger und begabter Knabe ist. Seinem lobenswerten Wunsch, Lehrer Zn werden, steht nur der Mangel an Geldmitteln entgegen, ^ch bin ein alter Mann ohne nähere verwandte und besitze etwas mehr, als ich verbrauche, va mir der ^unge gefällt, so will ich ihm die Mittel gewähren, sich fort- Zubilöen und ein tüchtiger Volkslehrer Zu werden', vorausgesetzt, daß er brav und fleißig bleibt, vafür verlange ich nur, daß er in der freien Zeit auf eine Stunde Zu mir kommt, um mein einsames Alter aufzuheitern und Zn erfreuen. Aun fragt es sich nur, ob seine Eltern darauf eingehen wollen?"' Mit tausend Freuden und innigem Dank gingen die Eltern auf diesen Vorschlag ein. Niemand aber war glücklicher als Leopold selbst, der seinen Lieblingswnnsch mit einim Male so unerwartet erfüllt sah. Mit regein Eifer nutzte er den Unterricht ans, der ihm nun erteilt wurde, und suchte feinem wohlthäter seine kindliche Dankbarkeit Zu beweisen, indem er ihn oft besuchte und liebevoll pflegte Fünfzehn stahre sind seitdem vergangen. Wir finden Leopold in einen: freundlichen Städtchen als Lehrer wieder. Er hat mit seiner jungen Frau seinen Einzug in das Schnlhaus gehalten und ist der Schuljugend ein treuer Lehrer geworden. Heute ist die Hansthttr des Schnlhanses mit einem breiten BlätterkranZ geZiert, als wenn ein werter East erwartet würde. ^>a Leopold erwartet auch einen sehr werten Gast, den Mann, den: er sein Lebensglück verdankte, Herrn Professor Helm. Als man den wagen rollen hörte, trat

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