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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 12 (1895) · p. Seite 187

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
12 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 187 (sequence 11)
Language
German
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187 Ich kann es Dir nachfühlen, wie Jchmerzlich es Dir war, das, worauf Du am Meißen und mit vollem Rechte ßolz biß, nämlich das Bewufstsein, dafs unfere Väter es waren, welche der Menfchheit den Glauben an den Einig- Einzigen gaben, Dir geraubt zu fehen. Aber beruhige Dich, fo wie Du es verßanden hajl, iß es doch nicht aufzufaß'en. An der Hand eines der bedeute ndjien Gelehrten des ägyptij'chen Altertums will ich Dir die Erage beantworten, die wir etwa so formulieren wollen: Was hat Moses von den Aegyptern gelernt? Was man bis etwa zum Anfang dieses Jahrhunderts von den alten Aegyptern wusste, beschränkte sich auf die Nachrichten, welche uns der „Yater der Geschichte“, Herodot, mitgeteilt hat. Erst seit einem Jahrhundert hat man die alten hieroglyphischen Inschriften entziffern und die verschiedenen in Gräbern und Denkmälern Vorgefundenen Papyrus lesen und verstehen gelernt. Seitdem ist die „Aegyptologie“, Erforschung des Aegyptertums, zü einer besonderen Wissenschaft geworden, deren bedeutendster jetzt lebender Vertreter der aucn als Romanschriftsteller bekannte Georg Ebers ist. Diese Aegyptologen haben nun entdeckt, dass zur Zeit, da etwa Moses lebte, den ägyptischen Priestern der oberen Ordnung die Lehre von der Einheit Gottes bekannt war, dass sie aber diese Lehre als tiefstes Geheimnis hüteten, welches dem Volke und der grossen Menge nicht der eingeweihten Priester nicht enthüllt werden dürfe. Es ist ein Papyrus erhalten geblieben, auf welchem der Hymnus eines solchen Priesters oberster Ordnung, Namens Pentaur, geschrieben ist. In diesem Hymnus kommen nun folgende Stellen vor, die in deutscher Uebersetzung etwa also lauten würden: „Einzig bist du, du Schöpfer der Wesen, Und allein, der du alles machst, was geschaffen“ ferner: „Er ist einzig, allein und sondergleichen, Wohnend im Allerheiligsten“. Die oben erwähnten Gelehrten haben auch in verschiedenen altägyptischen Urkunden den Namen eines in die tiefsten Geheimnisse eingeweihten Priesters oder Priesterzöglings gefunden, der „Mesu“ lautet und unseren Moses bezeichnen soll. Dieser Mesu soll nun ein älterer Zeitgenosse des Pentaur gewesen sein, dem vohrnehmsten Tempel Aegyptens angehört haben, von dort entflohen sein und in der Wüste als Hirte sich aufgehalten haben. Du siehst also, es stimmt alles ganz genau. An und für sich wäre es schier zu verwundern, wenn bei dem vierhundertjährigen Aufenthalt der Israeliten in Aegypten die dortigen Priester deren wundersame Lehre von dem Einig-Einzigen nicht vernommen, und die fähigsten Köpfe unter diesen Priestern nicht die Wahrheit dieser Lehre erkannt haben sollten. Aber dennoch war ihnen davon im besten Falle nur eine dunkele Ahnung zuteil, sie kannten den Namen, aber nicht den Begriff. Ich will Dir, lieber Arthur, als Gewährsmann für diese meine Behauptung den oben genannten Gelehrten Georg Ebers, einen der grössten Verehrer des Aegyptertums und der altägyptischen Cultur, anführen. In einem seiner Romane lässt er den priesterlichen Dichter Pentaur auf die Höhen des Sinaigebirges geraten. „Zu dem Führer der WegeApheru „wollte er beten; aber er vermochte es nicht, umd unendlich klein erschienen ihm die „Götter, die er oft vor dem Volke mit begeisterten Worten gepriesen hatte. „„Zu euch““, „murmelte er, „„bete ich nicht! Hier, wo mein Blick wie der eines Gottes die Ferne „umfasst, hier fühl' ich den Einen, hier ist er mir nah, hier ruf ich ihn an, hier will „ich ihm danken!““ Nichts weiter sagte er. Als er sich endlich erhob, stand neben ihm „ein Mann von hohem Wuchs mit gewaltigen Augen und würdevoll wie ein König, trotz „seines schlichten Hirtengewandes.

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