Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 12 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9620171-9621231-9621430--0216-9621439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
185 "Wäger der Gerechtigkeit, lenke das Zünglein der VTage, damit es gerade stehe!“ Rechts von der "Wage steht Thoth (der Erfinder der Buchstaben, ein Gott), mit roter Feder und Palette (Fabenbrett) und harrt des Urteils, um es aufzuschreiben. Mit dem Ausdrucke wilder Gier schaut Amain, „der Yerschlinger“, auf die Szene. Sein Vorderteil) ist ein Krokodil, der Hinterleib ein Nilpferd, die Mitte ein Löwe. Heber der Gruppe ist eine Inschrift, welche für Ani günstig lautet. Kein Falsch ist an ihm gefunden worden; er hat die Opfergaben des Tempels nicht beraubt, er hat kein Unheil durch seine Tliaten angerichtet, er hat nichts Böses gesagt auf der Erde. _ Die fromme Wäscherin und David's Grab.*) Von Dr. A. Nunert. Linst lebte in Jerusalem eine fromme Frau, die sich dadurch ernährte, daß sie für fremde Tente wusch. Zn dieser Zeit hatten die Muhammedaner die Ltaöt in Besitz genommen und den JtkScu verboten, das Grab des „Hebt Vaud" (des Propheten David) Zu betreten. Der Hüter!>es Grabes Zählte Zu den Kunden unserer Wäscherin. Als diese ihm einst seine Wäsche Zurückbrachte, fragte er sie: „Möchtest du einmal das Grab Davids sehen?" „Ls wäre das größte Glück für mich", entgegnete sie, „aber es ist uns studeu leider verboten." „Du bist ein braves Weib, darum will ich dir das Grab Zeigen," versetzte der hinterlistige Mann; „folge mir." Lr schritt voran bis Zu der unterirdischen Pforte, in die er sie eintreten hieß, kaum hatte sie pochenden Herzens die Schwelle des weiten dunklen Gewölbes überschritten, als er die Thür hinter ihr Zuschlug und verriegelte. Dann eilte er Zum Richter und teilte ihm mit, daß ein jüdisches Weib freventlich das Grab des Nebi Dauö betreten habe; als er dies bemerkt, habe er schnell die Thüre hinter ihr geschlossen, um sie der gerechten Strafe Zu überliefern. „Beim Teben des Propheten", rief der Richter Zornig aus, „sie mutz verbrannt werden!" hierauf begab er sich mit feinem Diener und dem Angeber nach dem Grab. Unterdessen war die Frau, als sie die Hinterlist des Hüters erkannte, auf ihre Knie gesunken und flehte Zu Gott, sie um des Königs David willen aus der Todesnot Zu retten. Da erblickte sie trotz der Dunkelheit einen ehrwürdigen Greis, der sie an der Hand faßte und durch viele lange Gänge *) Der Stoff ist £. A. Frankl „Nach Itrusalem!" entnommen.