Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 10 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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156 an der Lektüre des Buches Aut. Dieses „lieblichste Idyll des Altertums", wie Goethe das Buch nennt, wollen wir ein wenig näher betrachten. Der Inhalt desselben, der euch, liebe Rinder, wohl bekannt ist, sei hier nochmals kurz wiedergegeben?') „In den Tagen der Richter war einst Hungersnot im Lande. Da zog ein Ulann aus Betlehem mit seiner Frau Noomi und seinen beiden Söhnen nach Uloab. Der Ulann starb dort, und die beiden Söhne, welche moabitische Ulädchen, Orpa und Rut, geheiratet hatten, starben auch nach einiger Zeit. Unterdessen hatte die Hungersnot im Lande Israel ausgehört. Noonn kehrte daher in die Heimat zurück, und die Schwiegertöchter begleiteten sie. Unterwegs ermahnte sie dieselben, in Ucoab zu bleiben, wo sie zu Hause seien. Uleinend nahm Orpa Abschied; Rut aber sprach in kindlicher Liebe: „Dringe nicht in mich, dich zu verlassen. U)o du hingehst, da will ich auch hingehen. U)o du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. U)o du stirbst, da will ich sterben und daselbst begraben werden. Der Tod allen: soll scheiden zwischen nur und dir." So gingen beide mit einander nach Betlehen:. Rut ging auf's Feld, um Ähren zu lesen; so groß war ihre Annut. Sie wußte nicht, aus wessen Acker sie ging; aber Gott führte sie zu den Schnittern des Boas, eines angesehenen, reichen Ulannes, welcher mit ihren: verstorbenen Themanne verwandt war. Boas, welcher von ihrer Rechtschaffenheit und Treue schon gehört hatte, behandelte sie freundlich und gewann sie so lieb, daß er sie heiratete. Gott segnete die sronnne The mit einen: Sohne, welcher Vbed genannt und von Noonn gepflegt wurde. Obet ist der Vater Isais, und Isai der Vater des Königs David. Boas und Rut lebten um die Zeit, als der Hohepriester Tli Richter war in Israel." Herrliche Gestalten find es, die sich unfern: geistigen Auge darbieten! Noomi „die Liebliche"! U)ie zärtlich behandelt sie ihre Schwiegertöchter, obgleich sie Uloabitinnen sind, also einem andern: Volke angehören! Und als Orpa aus ihr Drängen umkehrt, wie rührend gestaltet sich der Abschied! , Raun: hat Noomi, von ihrer treuen Schwiegertochter Rut begleitet, den hei- matlichen Boden betreten, da erscheint Boas, ihr Verwandter, gleich einen: von Gott gesandten Tngel, bestimmt, ihre Not zu lindern. Boas, „Rrast", x ein biederer, wohlthätiger, rechtschaffener Ulann, gerührt von der kn:dlichen Treue, ", *) Dr. B. Sonbbctmcr, Geschichtlicher Religionsunterricht.