Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 11 (1936)
- Issue
- 11 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 136 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 136 Nr. 11 ihrem Gutdünken zu errichten! — Meiner lieben, einzigen Tochter Jette Arnstein vermache ich meinen Perlen-Schmuck, da sie von mir nichts als ein Andenken bedarf und ihr Erbteil genug bleibt, um sich und anderen Gutes und wo hl zu tun. — Das in Berlin von meinem Vater ererbte Kapital bitte ich Jette mit der Bitte zu lassen, dass sie ihre Verwandten nie Not leiden lasse. — Dem hiesigen Christenhospital sowohl als dem Juden- Spital vermache ich jedem 100 Gulden als eine geringe Gabe. — Für die Oden und Götz (Angestellte) bitte ich 500 Gulden an Wert in meinem Namen zu geben, da sie am längsten in meinem Dienst gewesen, jedem eine lebenslängliche Pension von 300 Gulden, nach ihrem Tode aber diese 600 fl. zu einem Fonds für arme Verwandte, sowohl als Notleidende aller Art und aller Religionen zu verwenden, besonders aber Rücksicht auf solche Unglückliche zu nehmen, die blind oder sonst durch Gebrechen zur bedauernswürdigen Klasse gehören. — Meine Pensionisten muß ich meiner Tochter aufgeben, da sie schon mit 600 Gulden von mir ausser den auszuzahlenden Andenken nach Proportion des Kapitals hinlänglich belastet ist, und ich ohnehin gewiss bin, dass sie nach eigenem Willen, nach ihren Kräften gibt, so wie sie es stets vor sich gesehen!" „Pesel (wahrscheinlich Jungfer) erhält für die mir während meiner Krankheit bewiesene Treue 100 fl. jährlich. Für die Findelkinder wird meine liebe Tochter bis zu 12 Jahren, die Jahre miteingerechnet, die ich schon bezahlt, das Monatsgeld bezahlen. — Sofie (eine andere Bedienerin) bekommt lOOfl. jährlich, wenn keiner der Familie sie, einen Schatz an Treue und Ehrlichkeit, zu sich nimmt. Bleibt sie im Hause, erhält sie 300 fl. jährlich. — Die Mutter von Loon 300 fl., Fanny Heller, als meine kleine Mündel und Namensträgerin, 200 fl. — Die kleine Lemberger, die ich in diesem Jahr, bloss um sie ihrem Stande gemäss erziehen zu lassen, zu mir genommen, bitte ich, dass im Falle der gedachten Cäcilia Lemberger Erziehung nicht vollendet wird, meine Tochter diese Pflicht über sich nimmt, ihr Glück nicht aus den Augen zu lassen und zu der kleinen Waise Versorgung einst beizutragen." — Am 4. September 1805 werden 10000 Gulden testiert, die dem Israelitischen Spital und den frommen, würdigen Elisabethinerinnen zu gleichen Teilen zufallen sollen! — Eines der letzten Legate dieser wahrhaften Jüdin und edlen Menschenfreundin schliesst: „Wenn ich jemand vergessen haben sollte, mein guter Mann und meine Tochter sind da, jedes Vergessene gut zu machen., und nun lege ich mich ruhig meinen langen Schlaf schlafen 5) _ Wie tief die Persönlichkeit Fanny von Arnsteins bei ihren nächsten Angehörigen nachwirkte (sie starb 8. Juli 1818), davon legt folgendes Schreiben ihres Gatten, Baron Nathan von Arnstein, das er nach ihrem Tode an die Vertreter der Wiener Judenschaft richtete, beredtes Zeugnis ab: „Hochwohlgeborene Herren! Zum äußeren Glänze unseres Gotteshauses und zur Verherrlichung des Schöpfers durch gute Werke beitragen, ist jedes fühlenden Menschen Pflicht. — Und wenn meine selige Gemahlin in diesen Grundsätzen lebte — ich ihrem Beispiele und meiner inneren Stimme hierin folge, so darf ich Ihnen zugleich versichern, dass meine Tochter von denselben Grundsätzen beseelt, nie einen Unterschied der Religion machen, Hilfsbedürftige, wes Glaubens sie seien, nach Kräften Trost und Gabe spenden und so ihrer unvergeßlichen Mutter immer würdig bleiben wird. Genehmigen Euer Hochwohlgeboren mit meinem Dank den Wunsch, Sie m Ihren erhabenen, menschenfreundlichen Amtspflichten öfter unterstützen und Sie von der wahren Hochachtung überzeugen zu können.....". — Ali Galliner Richtig sprechen, eine Forderung unserer Zeit Erst in diesen Tagen wieder ist von den um die Auswanderung der Juden besorgten Stellen der Ruf ergangen: Lernt Sprachen! Es ist erneut darauf hingewiesen worden, dass die Beherrschung der Sprache eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Fortkommen ist. Dieser Ruf, fremde Sprachen zu lernen, schliesst mehr ein als die blosse Forderung, sich in einer Sprache verständlich machen können. Er will darauf hinweisen, dass „eine Sprache sprechen" heisst: eine Sprache richtig sprechen, nicht nur im grammatikalischen Sinn, sondern in der Richtung, die wir als schönes und exaktes Sprechen bezeichnen. Was für das Erlernen und richtige Sprechen einer fremden Sprache gilt, muß in noch viel stärkerem Masse für die Beherrschung der Sprache überhaupt gelten. Der beste Stil, die einwandfveiesto grammatikalische Formulierung wird übersehen, wenn der Sprechende nicht korrekt spricht. Während es früher nicht möglich schien, Sprachfehler zu beseitigen, und wenn man vielfach Kinder, die mit Sprechschwierigkeiten zu kämpfen hatten, entweder verspottete oder mit pädagogisch unwirksamen Mitteln verschüchterte, so kann heute jeder Sprachfehler beseitigt werden. Gewiss bedarf es häufig vieler Liebe und. grosser Geduld, in allen Fällen einer reichen Erfahrung und einer psychologischen Einfühlungsfähigkeit. Es ist wichtig zu wissen, welche Spracheigenarten etwa nur mit der Sprachentwicklung des Kindes zusammenhängen und welche in einem gewissen Alter Anlass zu einer Behandlung geben sollten. Wenn heute an die Schwierigkeiten gedacht wird, die der richtigen Erziehung unserer Jugend im Wege stehen, so sollten gerade die Möglichkeiten wahrgenommen werden, die aus dem Wege räumen, was an Nachteiligem beseitigt werden kann. Gerade unsere jüdischen Kinder haben Anspruch darauf, daß ihnen schon in frühester Zeit alles aberzogen wird, was bei ihrem gewiss nicht leichten Weg ins Leben hinderlich sein könnte. Dazu gehört vor allem die rechtzeitige Beseitigung von Sprachfehlern. Wer zeitig eine geeignete Fachkraft zu Rate zieht, kann hier seinen Kindern Segen stiften. Sophie Baum rf^~Nadi langjähriger Tätigkeit in MAINZ^^ habe ich meinen Wohnsitz und meine Praxis nach Frankfurt a. M. Beethovenstr. 62pt. (a. d. Strassenbahn-Haltestelle Palmengarten- Bockenheimer Landstrasse) verlegt. Dr. Wallerstein Frauenarzt Spreckst.: 11—12, 4-5 auß. Samst. nachm. Tel. 73707 m _J Kunden aus Hessen? Sehr einfach! Geben Sie eine KLEINE ANZEIGE im „Mi'teilungsblatt des Landesverbandes israelii. Religionsgemeinden Hessens" auf. Die Sache macht sich bestimmt bezahlt. Auskunft und Anzeigen-Annahme durch M. Isaac & Co., Reinedcstr. 17-19 Telefon 44888 KISTEN für Auslandsumziige neue u. gebrauchte in allen Größen u. 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