Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 11 (1936)
- Issue
- 11 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Seite 129 friedhofes; Gipsabgüsse gewisser Inschriften, die bei der Renovierung der Mikwah wiederentdeckt wurden; ein Machsor von 1287 für die Wallfahrtsfeste, ein noch älteres, farbig bebildertes für die hohen Feste, beide nach Kölner Minhag (neben dem Namen des Stifters der Mikwah ein wichtiger Hinweis auf den rheinischen Einschlag der alten Gemeinde); Chumosch mit Raschi, Prager Druck auf Pergament, 1520; schöner alter Thoraschmuck aus Silber. Die bei der Renovierung der Mikwah gefundenen Glocken, nach Auffassung von Prof. Hirsch von den Bauleuten als ,,Feuerzauber", d. h. zur Beschwörung von Feuersgefahr cingemauert. Sichtbar u. a. ein schöner Vorhang von 1761 und ein vielhundert Jahre alter Rabbiner-Sessel, sowie (im letzten Raum) unter den Bildern von Friedberger Kriegsgefallenen auch einige von Juden. Die Ueberführung der Jüdischen Altertümer in das Museum der Israelitischen Gemeinde Frankfurt wird geplant. — Der alte Friedhof, von 1523 an der Ockstadter Strasse, tagsüber offen. Der neue Friedhof, 1934 eröffnet, recht weit von der Stadt, an der Ober-Wöllstadterstrasse. Das Städtische Lyzeum, einst Wohnhaus von Löb (aus) Cassel, der sich Cassella nannte, als sogenannter „adeliger Jude" ausserhalb des Ghettos wohnen durfte und 1720 starb. Von ihm stammt die weltbekannte Firma Leopold Cassella & Co. Von allgemeinem Interesse: Das Museum (s. o), geöffnet täglich von 9-12 und 15-18 Uhr, gegen 50 Pfg. Gebühr, Sonntags 11-13 und Mittwoch 15-18 freier Eintritt. Die Liebfrauenkirche, hessische Hallenkirche, frühgotischer Bau, dessen Baumeister auch die Mikwali erbaute, und dessen Erneuerer Architekt Hubert Kratz 1903 auch die Mikwah erneuerte. Die majestätisch breite Kaiserstrasse mit zahlreichen mittelalterlichen Bauten. No. 49 war 1368—1738 Rathaus. Das Städtische Polytechnikum. Die Burg mit den alten Wehranlagen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert, prachtvoll erhaltenen Toren und Türmen — der Adolfsturm ein „Berchfrit" von 1347, und dem prächtigen Renaissance-S chloss, 1604—1610 erbaut, das älteste Burggrafenhaus und das alte Deutschordenshaus umfassend. — Am Samstagabend und Sonntag ist im Gemeindehaus kleiner Restaurationsbetrieb für Juden. Die Verbandsgemeinden berichten: Argemid — Rückblick und Ziele Der Abschied des Leiters der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Jugend Darmstadt und einer Junggruppenführerin, schloss sich an den 2. Vortrag, den Herr Dr. Blach im Rahmen einer Vortragsfolge „Pubertätskrise und Persönlichkeitsbildung" hielt. Hatte er am 1. Abend die Erscheinungen dieses Entwicklungsstadiums beschrieben, so zog er am zweiten die erzieherischen Konsequenzen aus dem Verhalten des Menschen in einer seiner entscheidendsten Entwicklungskrisen, wobei mit Erziehung nicht nur Erziehung von außen, am allerwenigsten solche, die dem Jugendlichen zum Bewusstsein gebracht wird, gemeint war, sondern wesentlich jene, die der reifende Mensch selbst herbeiführt, indem er sich instinktstark den Führer, das Vorbild sucht. Wird er in dieser Wahl und der damit oft eng verknüpften seines Berufes an die rechie Stelle gelangt sein, so wird sich ihm auch die für/ die soziale Einordnung nötige Einsicht erschliessen. — Solche Gedanken leitt ten über zum 2. Teil des Abends: Dem scheidenden Josef Dombrower der im Jahre 1932 einer der 3 Gründer und seitdem Leiter der „Argemid" war, wurde von B. David und A. Rosenberg, seinen nächsten Mitgliedern in der Aelternschaft, sowie Herrn Dr. Reis, als Vertreter der Loge und Gemeinde, nachgerühmt, durch seinen starkenW i 11 e n, mit dem er gegen Unverstand und Gleichgültigkeit kämpfte, sowie durch seine grosse Erfahrung in der Jugendarbeit, den Bestand des Bundes gesichert zu haben. Er selbst, gab die Versicherung ab, daß es ihm darauf ankam, die menschliche Bindung zur inneren Kraft werden zu lassen, durch die sich der Bund erhielt. Solch innere Bindung, das fühlte man, bestand auch sehr stark zwischen der ebenfalls von Darmstadt scheidenden Junggruppenführerin Frau Grete K a t z und der Gruppe der älteren Mädels, die sie leitete. Seit 1932 besteht der Bund. Er hat sich mit allen Strömungen im Judentum befasst und die Jugend an alle Probleme herangeführt, in der Fülle in der sie sich in diesen Jahren ergaben. Der Bund hatte, woran J. Dombrower erinnerte, den 1. zionistischen Vortrag veranstaltet (bevor es hier eine zionistische Ortsgruppe gab), er brachte in Zusammenarbeit mit dem RjF den jüdischen Jugendsportbetrieb in Darmstadt in Gang, er kämpfte den „Kulturkampf" deutsch-jüdisch im Jahre 1932 durch; er stelte sich immer auf die Bedürfnisse und Notwendigkeiten dos Augenblicks ein. Der Bund verschaffte 1935 seinen Mitgliedern die Möglichkeit einer Vorbildung für Palästina, seit 1932 betreute er die andern, die vielleicht nach Uebersee oder sonstwohin auswandern, durch Sprachkurse in englisch und französisch. Ja er wirkte dadurch, daß die kulturellen und künstlerischen Veranstaltungen, anfänglich auf Veranlassung des Bundes, für Jugend und Gemeinde zugleich veranstaltet wurden, anregend und antreibend auch auf die Gemeinde. So zeigte es sich, dass Dombrower den Blick für kein Problem verschloss und keine Aufgabe anzupacken sich scheute, mit allen Problemen sich auseinandersetzend ohne die gesamtjüdischen Interessen zu verlieren. War die menschliche Bindung die tragende Kraft des Lebens und der Arbeit in dem seither von J. Dombrower geleiteten Bunde, so war eine humane Gesinnung seine Trägerin und Erhalterin. Gebetszeiten für die Sjrnagoge der Israelitischen Religionsgemeinde in Darmstadt, Fiiedricli-tra>sc 2 Der Freitagabend-Gottesdienst beginnt um 19 Uhr, der Sabbatmorgen-Gottesdienst um 8.45 Uhr. Sabbatausgang: 1. August 9.05 Uhr; 8. August 8.50 Uhr; 15. August 8.35 Uhr; 22. August 8.20 Uhr; 29. August 8.05 Uhr; 5. September 7.50 Uhr; 12. September 7.35 Uhr. diescliäftsräume des Landesverbandes, der israelitischen Religionsgemeinde Mainz und der Zentral-Wohlfahrtsstelle der israelitischen Religionsgemeinde Mainz Wiederholt wird darauf hingewiesen, dass sich die Geschäftsräume jetzt Horst Wessel-Strasse 2, I. Stock befinden. — Für das Publikum sind die Geschäftsräume des Landesverbands nur Dienstags, Mittwochs und Freitags von 10-12 Uhr geöffnet, ausserhalb dieser Sprechzeiten können nur in dringenden Fällen Besuche angenommen werden, wenn sie vorher schriftlich oder fernmündlich vereinbart werden. Centraiverein Die Sprechstunden des Centraivereins in Mainz finden nunmehr Montags^ Dienstags, Donnerstags und Freitags von 16—18 Uhr statt. Gebetszeiten für die Hauptsynagoge in Mainz 1. 8. Wochenabschn. Woes'chanan (Nachamu) Vorab. 19.00, Ausg. 21.05 Uhr 3. 8. 15. Ab Vorab. 19.00, Ausg. 19.00 Uhr 8. 8. Wochenabschnitt Ekev Vorab. 19.00, Ausg. 20.50 Uhr 15. 8. Wochenabschnitt R'eh Vorab. 19.00, Ausg. 20.35 Uhr 22. 8. Wochenabschnitt Schauf'tim Vorab. 19.00, Ausg. 20.20 Uhr 29. 8. Wochenabschnitt Ki-seze Vorab. 19.00, Ausg. 20.05 Uhr 5. 9. 'Wochenabschnitt Ki-sowau Vorab. 19.00, Ausg. 19.50 Uhr 12. 9. Wochenabsclmitt Nizzowim-Wajeloch Vorab. 18.00, Ausg. 19.35 Uhr Das Morgen gebet beginnt: a) an Sabbaten und Festtagen um 9 Uhr b) an Wochentagen um 7 Uhr c) an Sonntagen und gesetzlichen-Feiertagen um 8 Uhr. Das Nachmittagsgebet wird an Sabbaten und Festtagen 40 Minuten vor dem Ausgangsgebet verrichtet. Das Abendgebet an Wochentagen beginnt jeweils um dieselbe Zeit wie am vorhergehenden Freitag Abend. Persönliche Nachrichten Rimbach Frau Malche Westheimer begeht am 1 August ihren 80. Geburtstag.