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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1934-04-01 · 8 (4.1934) · p. Seite 95

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
9 (1934)
Issue
8 (4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 95 (sequence 18)
Language
German
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Nr. 8 Seite 95 Pflicht und Verantwortungsgefühl für die Seinen und für seine Umwelt. Das Referat von Dr. Gustav L ö f f 1 e r Ffm. über „Jüdische Lebensgestaltung in dieser Zeit" wurde durch Worte der Begrüssung des Offenbacher Jugendbundes, der isfaelitichen Religionsgemeinde, des Hessen-Hessen Nassauischen Landesverbandes und der Berliner Verbandsleitung eingeleitet und von Darbietungen des Offenbacher Jugendbundes und des Synagogenchores umrahmt. — Dr. Löf f ler stellte die Grundfrage „Pietistische Haltung oder ein Leben der Gestaltung"? Aus der Bejahung der Gestaltung und der Wertung des Geistigen, und des Religiösen als höchsten geistigen Wert, ergibt sich die Forderung des Lernens, wie sie in dieser Lerntagung verwirklicht ist. Aber nicht nur den erkennenden Geist, sondern ebensosehr den sittlichen und den harmonisch, künstlerischen Geist gilt es zu pflegen und zur Verwirklichung zu führen. Daher unsre Forderung nach unbedingter Sittlichkeit im Bezirk der Wirtschaft und allen übrigen Beziehungen der Menschen zueinander, insbesondere auch auf dem Gebiete der Sexualethik. — Die Sphäre des Schönen finde ihre Gestaltung im Künstlerischen, in der Pflege des Brauchtums und der Lebensformen, nicht nur aus religiösen Motiven, wie überhaupt das Religiöse nicht ohne Vorbehalt als Parole ausgegeben und insbesondere nicht mit dem anscheinenden Zusammenbruch des Rationalismus oder aber der Existenzfrage des Judentums verquickt werden soll. —All dieses gilt ebensosehr für die Galuth wie für Erez Israel. Allerdings sollen wir nicht nur als Zensor, sondern als Mitarbeiter am Aufbau Erez Israels mitwirken und die Voraussetzung eines Gelingens dessen, was dort und hier geschaffen wird, ist eine Kontinuität der Generationen, eine Zusammenarbeit von jung und alt. Der Sonntagmorgen wurde von einer großen Arbeitsgemeinschaft „Der Untergang des Reiches Israel", die Dr. Philipp, Ffm., leitete, ausgefüllt. Dr. Philipp gab zunächst einen Aufriss des Reiches Israel, zeigte die Beziehung der beiden jüdischen Staaten zu den Völkern der umliegenden Länder und ihre Eingespanntheit in das Kräftefeld der beiden Pole Aegypten und Assyrien auf. Die Gestalten der Propheten Hosea und Arnos (und die Verwandtschaft Hoseas in Form und Inhalt seiner Sendung mit Jeremias) wurden ausführlich erörtert und an Hand des Bibiltextes erarbeitet. In gemeinschaftlicher Arbeit wurde auf die Frage „nach der Wesensverschiedenheit und dem ungleichen Schicksal der beiden jüdischen Staaten die Antwort gegeben, daß in der politisch bedingten Trennung der beiden Reiche und der Auswirkung der Persönlichkeit Davids im Südreiche bis in ferne Zeiten, die Ursachen zu suchen sind. Prof. Dr. Kantorowicz Frankfurt/M. erarbeitete im Rahmen seiner A.-G. „Gesellschaftskunde" Erkenntnisse wirtschaftlicher, soziologischer und weltanschaulicher Zusammenhänge. Der Einzelne wurde in seiner Eingenschaft als Objekt und Subjekt des gesellschaftlichen Lebens, zunächst unabhängig von seiner Willensrichtung gezeigt. Die Verflochtenheit mit dem Geschehen verpflichtet jedoch zur Stellungnahme und die Stellung soll nicht auf Grund einer ungeklärten Stimmung, sondern auf Grund objektiver Erkenntnisse und klarer Grundsätze getroffen werden. Deshalb kommt es in der Erziehungs- und Bundesarbeit nicht darauf an, einzelnen Geschehnissen eine Deutung zu geben, sondern den Menschen die Hilfsmittel zur selbständigen Orientierung in die Hand zu geben, mittels deren sie es vermögen in den „Kanon des Wissens" einzudringen. Den verschiedenen Ansprachen der Mitglieder der Landesverbands- und Verbandsleitung und den Aussprachen zwischen den Arbeitsgemeinschaften ist zusammenfassend zu entnehmen, daß die Arbeit in den Arbeitskreisen voranschreitet und weiter gefördert werden soll. — Der wahrhaftigste Ausdruck jener gesamtjüdischen Haltung, die letztlich auf der gleichen Unbefangenheit und Vorurteilslosigkeit beruht, deren früherer Ausdruck die Neutralität des Verbandes war, ist heute die Verwirklichung, der Einsatz durch die Tat. So ist auch die anlagemässig vorhandene und als Parole ausgegebene „Wechselwirkung" zwischen Erez und Galut durch die zu erwartende baldige Alijah von der Verbandsidee zutiefst verbundenen Freunden nunmehr zu verwirklichen. Rein stimmungsmässig wurde die Tagung zu einem ausser-, ordentlich starken Erlebnis für alle Teilnehmer. Durch alle Veranstaltungen, mögen es die Feiern oder die Arbeitsgemeinschaften gewesen sein, zog sich spürbar das Gefühl eines starken ideologischen und menschlichen Verbundenseins. Es würde zu weit führen, hier alle Züge herzlicher Gemeinschaft zu schildern. Erwähnt sei nur die stimmungsvolle Ausgestaltung der Freitagabendfeier, der feierliche Oneg, der allerdings mit hereinbrechender Dunkelheit starke Anforderungen an die Konzentrationskraft stellte, um allerdings auch dann um Sabbatausgang mit dem Aufleuchten eines Magen Davids in der Dunkelheit eine besondere Wirkung bei den Teilnehmern auszulösen. Das Samsta£rabend- Referat, zu dem ein großer Teil der Offenbacher Gemeinde erschienen war. fand einen würdigen Rahmen. Der Synagogenchor unter Leitung von Herrn Kantor Gottlieb trug aus TTaydns „Schöpfung" vor. Die Junggruppe brachte einen Sprechchor von Hans Dessauer, Rina Feibuschewitz und Kurt May brachten Mendelssohns „Fingalshöhle" zum Vortrag. Aber auch während der Freizeit und während der Arbeitsgemeinschaften, war eine erfreuliche Form des Zusammenlebens und des Zusammenarbeitens festzustellen, insbesondere stellte die Arbeitsgemeinschaft „Gesellschaftskunde" in methodischer Hinsicht einen Höhepunkt dar. Der Sonntagabend schliesslich mit seinem improvisierten glücklichen Programm war ein Absehluss der Lernzeit, wie er besser nicht hätte gedacht werden können. So war die I Empfehlenswerte Geschäfte in Gießen i Frensdorf Herren-, Knabenu. Sportkleidung (HESSEN Grabdenkmäler Renovierungen, Bauarbeiten Heizkörperplatten Schalttafeln u. a. Louis Schmidt Kaiser-Allee 1 2 Und am Neuen Friedhof - Tel.: 3 736 Eine Anzeige in dieser Größe kostet nur 5.— S. Oppenheim Schneidermeister Glessen, Bahnhofstr. 33 Feine Herren- und Damen-Schneiderei Reichhaltiges Stofflager Hausfrauen! Beachtet bei Euren Einkäufen immer den Anzeigenteil des Mitteilungsblattes und kauft bei unseren Inserenten! GIESSEN Neustadt 39 Monulekturworen Herren u. 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