Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 8 (1933)
- Issue
- 9 (11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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lHooember J933 8. Iahrg. jllr. 9 MMllWSbllck des LanVesverdandes israelitischer llleligionsgemeinden lljessens trscheinungsort stlainj. Luschristen, welche das Mitteilungsblatt betreffen, sind an das Büro des Landesverbandes, Jtloinj, lstndenburgstraße 44 zu richten. Zum 12. November. Mit dem ganzen deutschen Volk sind auch wir Juden als Staatsbürger ausgerufen, zu der auswärtigen Politik der Reichsregierung unsere Stimme abzugeben. Sie wird gefordert für die Gleichberechtigung Deutschlands unter den Völkern, die Versöhnung der Nationen und die Befriedung der Welt. Trotz allem, was wir erfahren mutzten: Die Stimme der deutschen Juden kann nur ein Ja sein. Tie Reichsvertretung der deutschen Juden. Aus dem Derbanbsbtiro. Zur eventuellen Durchführung ins Auge gefaßt^ Schulgründungeu ist eine Kommission bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Levi-Mainz, Rechtsanwalt Levi- Darmstadt, Rechtsanwalt Dr. Stahl-Bad-Nauheim und Lehrer Jak. Strauß-Offenbach gebildet worden. — Die Einsetzung eines Kulturausschusses, dessen Ausgabe es sein soll, Vorträge und dergleichen veranstalten zu lassen, ist mit der Wahl der Herren Rabbiner Dr. Levi-Mainz, Rechtsanwalt Dr. Stahl und Lehrer Jak. Strauß erfolgt. — Diese Kommission hat das Recht der Zuwahl. Das Oberratskollegium hat sich in: Rahnien der Kassenlage mit verschiedenen Wirtschaftsangelegenheiten befaßt. Eine in Berliir stattgehabte Konferenz der Vertreter von Wohlfahrtseinrichtungen ist von der hiesigen Stelle beschickt worden. Israelitische Heligionsgemeinde, Mainr. Am 9. Dezember d. I. finden Ergänzungswahlen des Vorstandes und der Steuervertretung statt; ans die am 13. d. Mts. im Mainzer Anzeiger und Mainzer Journal erscheinende Bekanntmachung wird hiermit hingewiesen. Neue Führung bes deutschen jubentums. Leit dem Erscheinen der lebten Nummer unseres Mitteilungsblattes vollzog sich inzwischen die für die deutsche Judenheit bedeutungsvolle Neubildung der Reichsvertretnng. Tie Leitung derselben wurde übertragen Herrn Rabbiner Tr. Baeck-Berlin als Präsidenten und einem Ansschuß, dessen Vorsitzender Tr. Otto Hirsch-Ltnttgart. dessen stellvertretender Vorsitzender Tr. Liegfried Moses- Berlin und dessen weitere Mitglieder Tr. Rudolf (Lallmann-Köln, Rabbiner Tr. Hoffmann-Franksurt a. M., Tr. Landenberger-Nürnberg, Tr. Franz Meyer-Breslau, Tr. Julius L. Seligsohn-Berlin und Tirektor Heinrich Ltahl-Berlin sind. Die Vertreter der großen Organisationen: Reichsbnnd jüd. Frontsoldaten, (Lentral-Berein, Zionistische Vereinigung für Teutschland und die Vereinigung für bas liberale Judentum in Teutschland haben feierlich erklärst daß sie diese Leitung der deutschen Inden anerkennen, ihr volles Vertrauen entgegenbringen und zu treuer, loyaler Znsannnenarbeit mit ihr bereit sind. In nachfolgender Kundgebung wendet sich nun die neu gewählte Reichsvertretnng an die deutschen Inden: In Tagen, die hart und schwer sind, wie nur je Tage der jüdischen Geschichte, aber auch bedeutungsvoll, wie nur wenige gewesen, ist uns durch die gemeinsame Entschließung der jüdischen Landesverbände, der großen jüdischen Organisationen und der Großgemeinden Tentschlands die Leitung und Vertretung der deutschen Inden übertragen worden. Kein Parteigedanke, kein Souderwunsch har darin gesprochen, sondern allein und ganz die Erkenntnis dessen, daß Leben und Zukunft der deutschen Juden heute durch ihre Einigkeit uitb ihren Zusammenhalt bedingt sind. Darum ist es die erste Aufgabe, diese Einheit lebendig werden zu lassen. Jede Organisation und jeder Verband sollen in ihrer Lebenskraft und in ihrem Ansgabenkreise anerkannt sein, aber in allen großen und entscheidenden Aufgaben darf es nur die eine Gemeinschaft, nur die eine Gesamtheit der deutschen Inden geben. Wer heute Sonderwege geht, wer heute sich ansschließt, hat sich an dem Lebensgebote der' deutschen Inden vergangen. Im neuen Staate ist die Stellung der einzelnen Gruppen, auch derer, die weit zahlreicher bind stärker sind als wir, eine ganz andere geworden. Gesetzgebung und Wirtschaftsführnng hasten ihren gewiesenen Weg, eingliedernd und ausgliedernd. Wir sollen dies einsehen ohne Selbsttäuschung. Rur dann werden wir jede ehrenvolle Möglichkeit beobachten können und um jedes Recht, um seden Platz, um jeden Lebensranni zu ringen imstande sein. Tie deutschen Juden werden als arbeitnehmenste und arbeitgebende schaffende Gemeinschaft im neuen Staate sich bewähren können.