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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1933-05-01 · 5 (5.1933) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
8 (1933)
Issue
5 (5.1933)
Date
1933-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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miill J933 8. Ishrg. Illr. 5 des Löndesverbankiks istselitischer lKeligionsgemeingen Wens Erscheinungsort stlainr. Luschristen, welche das Mitteilungsblatt betreffen, sind an das 6üro des Landesverbandes, stlain;, stindenburgsiraße 44 zu richten. ücrfaffun^j bes fanbesoerbanbes ifracliti(ctjcr Rellgionsgemeinben Hessens. Durch Beschluß des Gemeindetages vom 12. Juni 1932 und mit Genehmigung des Herrn Hessischen Ministers für Kultus und Bildungswesen vom 19. April 1933 zu Nr. K. M. II. 6681 hat Art. IV. der Berbandsversassung einen Zusatz erhalten, lautend: „(Gelingt in einer Religionsgemeinde die Bildung der Steuervertretung nicht oder weigert sich die Religionsgemeinde, innerhalb der von dem Oberrat des Landesverbandes bestimmten Frist Ausgaben in den Voranschlag aufzunehmen, zu deren Leistung sie' durch Gesetz, Verordnung oder rechtskräftige Entscheidung verpflichtet ist, so wird der Steuerbeschlnß durch eine Anordnung des Oberrats mit Genehmigung des Ministers für Kultus und Bildungswesen ersetzt (Art. 9 des hessischen Gesetzes über das Besteuerungsrecht der Religionskörperschaften vom 14. Dezember 1928, Reg.-Bl. S. 239).'" Mainz, den 26. April 1933. Der Vorsitzende des Oberrats: gez. B. A. Mayer. Das Oberratskollegium nahm Kenntnis von den Berichten des Verbandsvorsitzenden über die Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Landesverbände und die in Wirksamkeit getretene Reichsvertretung der deutschen Juden. Es hat beschlossen, maßgeblich der neuen Verbandsverfassung den nächsten Gemeindetag erst in: Jahre 1934 zu berufen. Subventionen für Religionsunterricht sind bewilligt, der Beitrag zu den Kosten eines Lektorats ist gestrichen worden. Es wurde die Bildung eines leitenden Ausschusses beschlossen, in denselben der Vorsitzende bezw. sein Stellvertreter, ferner Justizrat Tr. Goldschmidt-Offenbach, Stellvertreter Bankdirektor Benjamin- Tarmstadt, Rabbiner Dr. Levi-Mainz, Stellvertreter Rabbiner Dr. Dienemann-Offenbach und Lehrer Strauß-Offenbach gewählt. Sowohl diesem Ausschuß wie auch den bereits bestehenden Schulausschuß sollen Vertreter des Hessischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden, auf dessen Wunsch, beitreten.' Bei Behandlung der sozialen Angelegenheiten ist die Frage erörtert worden, ob und bejahendenfalls in welchem Umfange es möglich ist Bezirksdarlehenskassen auf sozialer Grundlage zu begründen. Eingehende Aufschlüsse des Fräulein Weinreich-Berlin hierüber sind dankend zur Kenntnis genommen worden, ebenso solche des Perbandsvorsitzenden über die ihm von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin bereits zngegangenen Vorschläge dieserhalh. 3entralausrdiuß der deutschen luden für Hilfe und Aufbau. Tie Reichsvertretnng der jüdischen Landesverbände (Berlin- Charlotteuburg 2, Kantstraße 158) hat bei sich einen „Zentralansschnß der deutschen Inden für Hilfe und Aufbau" errichtet, der die Arbeit auf allen Gebieten der wirtschaftlichen nnd sozialen Hilfe verteilt und abstimmt, der ferner die einzige Sammelstelle für die Beschaffung und Verteilung aller Mittel, insbesondere auch dem Ausland gegenüber ist. Tein Zentralausschuß, in dem die maßgebenden zentralen jüdischen Organisationen Mitarbeiten, gehören an die Herren: Rabbiner Tr. Baeck (Vorsitzender), Landgerichtsrat Tr. Lilienthal (Geschäftsführer), Alfred Berger, Tr. Georg Landauer, Direktor Stahl, Tr. Ludwig Tietz, Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Tr. Earl Melchior und Tr. Mark Wischnitzer; die Hinznwahl weiterer Persönlichkeiten ist in Aussicht genommen. Ter'Zentralausschuß richtet an die jüdische Oeffentlichkeit folgenden Aufruf: Unsere Pflicht! Schwere Not geht um im deutschen Judentum. Wir deutschen Inden haben unser Teil getragen an der allgemeinen deutschen Not. Wir haben unser Kontingent gestellt zu dem großen Heer der Menschen, die ohne Arbeit lind ohne Verdienst vom sinnvollen Leben ausgeschlossen schienen, Nene Not ist über uns gekommen. Jüdische Menschen werden ans ihrer Arbeit heransgerissen, Sinn und Grundlage ihres Lebens ist ihnen zerstört worden. In Zeiten der Not wird der Sinn der Genieinschaft offenbar. Wo der Einzelne, ans sich allein gestellt, einen Sinn seines Daseins nicht mehr sieht, zeigt die Gemeinschaft ihm Sinn und Ziel, wo er allein nichts mehr schaffen kann, mutz die Kraft der Gemeinschaft eintreten. Ans der Zeit der Not muß neu die Gemeinschaft erwachsen, ein lebendiges Dasein gewinnen. Aus ihr muß der Einzelne die Kraft zum Leben und zum Wirken schöpfen. Groß ist die Aufgabe, die der Gemeinschaft der deutschen Juden heute gestellt ist. Die Not steht vor den Türen unserer Menschen, ihre Kraft droht zu zerbrechen. Von uns, von der Kraft der Gesamtheit nuiß die Rettung kommen. Nene Aufgaben in ungekanntem Umfange treten an uns heran. Es genügt nicht, denen, die nicht wissen, wovon sie die nächsten Tage fristen sollen, das tägliche Brot zu reichen. Gewiß ist es unsere erste Aufgabe, dafür zu sorgen, daß niemand der unseren zu hungern braucht und des Daches über fernem Kopf entbehrt. Gewiß müssen wir dafür sorgen, wie wir es gewohnt sind, daß die Anstalten erhalten bleiben, die wir errichtet haben für unsere Kinder, für unsere Alten und Kranken. Sie sind heute nötiger den:: je, wenn die Not uns auch zwingen wird, die Ansprüche an die Ausstattung dieser Anstalten erheblich herabzuschrauben. Aber mit alledem ist es nicht getan. Wir wollen und wir dürfen uns nicht damit be-

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