Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 8 (1933)
- Issue
- 4 (4.1933)
- Date
- 1933-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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J Erklärungen. Wir geben hiermit von einer unterm 3. April d. I. von den Unterzeichneten Landesverbänden dem Herrn Staatspräsidenten in Darmstadt übersandten Erklärung Kenntnis. An das H e s s i s ch e G e s a m 1 m i n i st e r i u m zu Händen des Herrn Staatspräsidenten Prof. Dr. Werner D a r m st a d t Hochverehrter Herr Staatspräsident! Als öffentlich-rechtliche Vertretungen der israelitischen Religionsgemeinden Hessens wenden wir uns in ernster Stunde an Sie, Herr Staatspräsident. Zn unseren Verbänden gehören die ältesten Jndengemeinden auf deutschem Boden, die in allem Wechsel politischer Vorgänge, in Krieg und Frieder:, in Heil und Not durch mehr als ein Jahrtausend zu Deutschland standen, mit Deutschland litten, für Deutschland stritten. Was diese Gemeinden int frühen Mittelalter schon für die Verbreitung deutscher Sitte und deutscher Sprache in der Welt geleistet haben, ist jedem Eingeweihten bekannt. Durch das Gesetz unserer Religion wie durch das Gebot unseres Herzens ist deutsch-vaterländische Gesinnung und deren Betätigung in Tun und Lasselt uns eine Selbstverständlichkeit. So Haber: wir bis jetzt geschwiegen, weil wir glallbten, eine ausdrückliche Beteuerung unserer Verbundenheit mit dem deutschen Volk und Vaterland nicht nötig zu haben. Die Vorkommnisse der letzten Tage veranlassen uns aber, dies nochmals zu betonen und Verwahrung einzulegen gegen die Maßnahmen, die unser Recht vernichten müssen. Weitn man für verleumderische und hetzerische Berichterstattung an das Ausland auch uns Juden verantwortlich macht, so erklären wir nach bestem Wissen, daß aus den Kreisen unserer Verbandsgemeinden ein solches Verbrechen nicht begangen wurde. Wir stellen lins vor keinen Schuldigen, können aber auch nicht die Verantwortung tragen für fremde Tat, ans die loir keinen Einfluß haben. Wir verabscheuen, wie jeder andere gute Deutsche, die Angriffe auf Deutschlands Ehre und Ansehen in der Welt. Wahrheitsliebe lind Leidenschaft für Recht, dem im deutschen Vaterlande immer ein Hort bereitet war, zwingen uns dies auszusprechen. Reines Gewissen und Vertrauen auf Gott sind unsere Wehr und geben uns die Zuversicht, daß die hessische Staatsregierung auch unsere Rechte schützen wird. Landesverband israelitischer Religionsgemeinden Hessens. Hessischer Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden. Der Allgemeine Rabbiner=Derbanb in Deutschland richtet an die Adresse der Deutschen Juden folgende Erklärung: Es widerstrebt uns, gegenüber Angriffen, die Versicherung dessen abzugeben, was unser'Judentum ist. Der wahre Geist unserer Religion spricht zu jedem, der hören will. Unsere Geschichte zeugt von dem, was wahrhaft in uns lebt. ' Wir wissen um das, was unser deutsches Vaterland uns ist. Seit altem lehrt uns unsere Religion, in Treue dem Staate zu dienen. Unseren Glaubensbrüdern rufen wir zu: Haltet die Treue und die Zuversicht fest! Bewahrt den Stolz und die aufrechte Kraft! Bleibt der Väter wert! Der Centralverein deutscher 5taat8bürger jüdischen 6lauben§, der die größte Organisation der 565 000 deutschen Juden ist und der auf' vaterländischem Boden steht, veröffentlicht zu den Vorgängen der letzten Tage nachfolgende Erklärung: ' 'Nach Mitteilungen deutscher Blätter werden von verschiedenen ausländischen Zeitungen Meldungen verbreitet, etwa, daß regelmäßig verstümmelte Judenleichen vor dem Eingang des jüdischen Friedhofes Berlin-Weißensee lägen, daß jüdische Mädchen auf öffentlichen Pläsier: gewaltsam zusammengetrieben worden seien, daß hunderte deutscher Juden in Genf einträfen, von denen neun Zehntel, darunter zahlreiche Kinder, fchwer mißhandelt seien. Alle derartigen Behauptungen sind frei erfunden. Ter Centralverern stellt mit allem Nachdruck fest, daß das deutsche Judentum für solche unverantwortliche Entstellungen, die aufs schwerste zu verurteilen sind, nicht verantwortlich gemacht werden kann. Das deutsche Volk befindet sich seit Wochen in einem politischen Umschwung gewaltigen Ausmaßes. Hierbei ist es zu politischeck Racheakten und Ausschreitungen auch gegen Juden gekommen. Die Reichsregierung wie die Länderregierungen haben sich mit Erfolg bemüht, möglichst schnell Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Der Befehl des Reichskanzlers, Einzelaktione'n zu unterlassen, hat seine Wirkung getan. . Gewiß erfüllen uns gerade in letzter Zeit deutlich erkennbare antisemitische Zielsetzungen auf den verschiedensten Wirtschafts- und Lebensgebieten mit schwerer Sorge. Ihre Bekämpfung sieht der Eentralverein nach wie vor als eine innerdeutsche Angelegenheit an. Wir sind aber überzeugt, daß die Gleichberechtigung der deutschen Juden, die sie sich in Krieg und Frieden durch Hergabe von Blut uud Gut auch iunerlich verdient haben, nicht wieder aufgehoben wird, und daß sie wie bisher, unlösbar verbunden mit dem deutschen Baterlande, mit allen anderen Deutschen guten Willens am Ausstieg des Vaterlandes werden Mitarbeiten können. Erklärungen, die in gleichen: Sinne lauten, haben ferner „Der Reichsbund jüd. Frontsoldaten", die „Zionistische Vereinigung für Deutschland", „Die Reichsvertretung der deutschen Juden" und andere jüdische Organisationen abgegeben. Sekanntmachung. Um Ersparnisse zu erzielen, sind wir gezwungen, von einer regelmäßigen monatlichen Ausgabe unseres Mitteilungsblattes bis auf weiteres abzusehen. Wir bitten, hiervon Vornterkung zu nehmen und Rückfragen wegen Nichtzustellung des Mitteilungsblattes zu vermeiden. Der Verbandsvorsitzende: B. A. Mayer Bekanntmachung der ijr. Religionsgemeinbe Ulainz. Wir bringen hierdurch zur Kenntnis der Beteiligten, daß der Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben unserer Religionsgemeinde für das Rechnungsjahr 1933 nebst den dazu gehörigen Anlagen von Dienstag, den 2. Mai d. I. an, eine Woche lang, von 9—13 Uhr auf unserem Büro, Hindenburgstraße 44 (Eingang Gabelsbergerstraße) offen liegen wird. Einwendungen gegen denselben sind innerhalb der Offenlegungsfrist bei uns vorzubringen. Mainz, den 7. April 1933. Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde. Aus unseren Derbanbsgemeinben. Alsfeld. Der israelitische Männerverein „Gemilus Chasodim" und der israelitische Frauenverein feierten vor kurzem gemeinsam das 25jährige Jubiläum des Ehepaares Jsak und Auguste Strauß, die nunmehr ihren Vereinen ein Vierteljahrhundert angehören, und zwar Herr Strauß als Rechner des Männervereins und Frau Strauß als Vorstandsmitglied des Frauenvereins, deren Vorsitzende sie seit 9 Jahren ist. Es gratulierten Herr Adolf Steinberger namens der Gemeinde und Lehrer Kahn im Aufträge beider Vereine dem verdienstvollen Ehepaar, das als äußeres Zeichen der Anerkennung eine prachtvolle Sederschüssel zum Geschenk erhielt. Büdesheim (Oberh.) Am 28. März beging das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Frau Hannchen Strauß, geb. Kahn in körperlicher und geistiger Frische ihren 90. Geburtstag. Wir wünschen ihr noch viele Jahre in gleicher Rüstigkeit. Dereine unb Derbänbe. Ter Hilfsverein der Deutschen Juden gibt in seinem Tätigkeitsbericht für das Jahr 1932 einen Ueberblick über die Lage der Juden in einer Reihe von Ländern. Im einzelnen wird über die Arbeit und die Aufwendungen auf den Gebieten der Auswanderer- 2