Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 9 (9.1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Vereine und Verbände. Anfang Juli wurde Landwerk Neuendorf bei Fürftenwalde lSpree) als erste jüdische Arbeiterkolonie von der Hauptftelle für jüdische Wanderfürsorge eröffnet. Beim Verein „Jüdische Arbeitshilfe", der die Anmeldungen entgegennimmt, hat sich eine sehr große Anzahl langfristig Erwerbsloser aller Kategorien (Handwerker, Gärtner, Kauflente, Akademiker, gelernte und ungelernte Arbeiter usw.) ans dem ganzen Reich gemeldet, von denen vorläufig leider nicht mehr als etwa 40 ausgenommen werden konnten. Es handelt sich insbesondere um Jugendliche, die in Neuendors in Gärtnerei, Landwirtschaft, Tischlerei, Schlosserei, Schuhmacherei, Stellmacherei usw. beschäftigt werden. Die Anzahl der Aufgenommenen soll nach Möglichkeit bald erhöht werden. Unter den Ausgenommenen befindet sich auch eine, Gruppe des Freiwilligen Arbeitsdienstes aus Berlin, die vom Jüdischen Arbeitsnachweis zusammengestellt wurde und für die aus Grund der Bestimmungen über den Freiwilligen Arbeitsdienst das Reich dsh Kosten trägt. Sobald mit dieser Gruppe einige Erfahrungen vorliegen, ist beabsichtigt, auch aus anderen Landesteilen Gruppen des Freiwilligen Arbeitsdienstes auszunehmen. Dies wird um so eher möglich sein, da die neuesten Bestimmungen über den Freiwilligen Arbeitsdienst fast allen Erwerbslosen, insbesondere Jugendlichen bis zu 25 Jahren die Förderung des Reiches zubilligen. Es wird hier ausdrücklich betont, daß Ausnahmen nur nach vorheriger schriftlicher Zusage durch den Verein „Jüdische Arbeitshilfe", Berlin, Ehlbg. 2, Kantstr. 158 möglich ist. Dieser Hinweis ist um so dringlicher, da viele Erwerbslose aus verschiedenen Gemeinden Deutschlands sich sofort nach Bekanntgabe der Eröffnung des Landwerks einzeln und in Gruppen aus den Weg gemacht haben, um direkt im Landwerk Neuendors Ausnahme zu finden. Ties hat die Feststellung des Kostenträgers außerordentlich erschwert, die Aufnahme also nicht beschleunigt, sondern verzögert und auch sonst zu erheblichen Schwierigkeiten für alle Beteiligten geführt. Ter hessische Landesverband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands hält seine diesjährige Delegiertentagung am 18. September in Darmstadt in der Starkenburgloge ab. Jüdische Jugend zu sammeln, ihr Rückhalt zu geben, ihr Zusammengehörigkeitsgefühl zu wecken und zu stärken hat der jüdische Jngendverein von je als Hauptteil seiner Ausgaben erachtet. Wann wäre ihre Erfüllung notwendiger gewesen als gerade heute? Es wird daher erwartet, daß der I. I. V. Mainz bei der Wiederaufnahme seiner regelmäßigen Tätigkeit im September tätige Mitarbeit und wachstes Interesse bei seinen Mitgliedern und darüber hinaus bei all denen findet, die die Notwendigkeit und Wichtigkeit seiner Bestrebungen erkannt haben. Wer könnte den Forderungen der Zeit das Ohr verschließen? Folgt daher dem Ruf zu bewußter jüdischer Arbeit! rnng der Wissenschaft des Judentums eine wertvolle Festschrift, an welcher sich führende Gelehrte des In- und Auslandes beteiligt haben. Diese Ehrung ist vollkommen gerechtfertigt durch die hohen Verdienste, die sich Professor Sobernheim um die genannte Gesellschaft erworben hat. Als in den Jahren 1916/20 oie Führer der Gesellschaft, Martin Philippsohn, Jakob Guttmann und Marcus Brann ins Grab gesunken waren, übernahm Sobernheim trotz starker Belastung mit dienstlichen Obliegenheiten und mit der Vertretung jüdisch-sozialer Vereinigungen den Vorsitz der Gesellschaft und führt ihn heute noch. Die Zeit seiner Amtsführung war eine außerordentlich schwierige. Zuerst die Inflation, dann in gesteigertem Maße die Wirtschaftskrise stellten und stellen der Pflege der Wissenschaft ungeheure Hindernisse in den Weg; und diese Hindernisse steigern sich bei der Wissenschaft des Judentums, die leider auf staatliche Förderung nie hat rechnen können. Trotzdem ist es Sobernheim gelungen, das Netz der Vertrauensmänner der Gesellschaft immer weiter auszubauen und mit deren Hilfe für die Erhaltung und Werbung von Mitgliedern wie auch für den Absatz der Schriften der Gesellschaft zu sorgen. Dadurch wurde es möglich, daß die Gesellschaft eine Reihe wertvoller wissenschaftlicher Veröffentlichungen herausgab und für das Weitererscheinen der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" die finanzielle Grundlage bot. Auch die genannte Festschrift stellt ein Heft der Monatsschrift dar und geht sämtlichen Mitgliedern der Gesellschaft unentgeltlich zu, wiewohl ihr Umfang von fast 200 Seiten über den eines normalen Heftes erheblich hinausgeht. Wie alle Hefte der Monatsschrift, enthält sie neben gelehrten Beiträgen auch solche, die für einen weiteren Leserkreis bestimmt sind: den freundschaftlichen Briefwechsel zwischen David Kausinann und P. G. Moellendorss wird gerade in unserer Zeit der religiösen Spannung jeder mit Anteil lesen; auch Michael Guttmanns Aussatz über den Unterschied zwischen Gebotssrömmigkeit und Mhsterienreligiösität ist bei aller Weite der Gesichtspunkte gemeinverständlich geschrieben. Wenn der Ehrentag Sobernheims die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt auf sein Wirken, insbesondere aus die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, gelenkt hat, so darf wohl die Hoffnung ausgesprochen werden, daß auch solche Kreise, die bisher der genannten Gesellschaft sernstanden, sich nunmehr ihren Bestrebungen anschließen werden. Für den geringen Jahresbeitrag von 10 RM. lzu überweisen aus das Postscheckkonto der Gesellschaft Berlin 7030 oder an einen der Vertrauensmänner, welche in jedem Heft der Monatsschrift ausgeführt sind), erhalten die Mitglieder die Monatsschrift unentgeltlich sowie zahlreiche Vergünstigungen bei dem Bezüge der Schriften der Gesellschaft. Nähere Auskunft erteilt gern die Geschäftsstelle, Berlin-Schöneberg, Belzigerstraße 46, Ausg. II, 2. „Wir deutschen Juden" heißt eine soeben vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens herausgegebene kurz Dieser Nummer des „Mitteilungsblattes" ist eine Einladung zu dem am 11. und 12. September 1932 in Frankfurt a. M. stattsindenden XIV. Telegiertentag der Zionistischen Bereinigung für Deutschland beigelegt. Bücherschau. Heinrich Graf Eoudenhovc-Ealergi: „Das Wesen des Antisemitismus", eingeleitet durch „Antisemitismus nach dem Weltkrieg" von R. N. Coudenhove-Calergi. Paneuropaverlag, Wien- Leipzig-Paris. Preis Ganzleinen RM. 5.50, broschiert RM. 3.90. Heinrich Coudcnhove folgert aus seiner systematischen Forschung die religiöse Bedingtheit des Antisemitismus. Zu diesem Ergebnis kommt er aus Grund eingehender Studien über das Semitentum, er sucht es zu beweisen aus seiner Darstellung des Antijudaismus im Altertum und des späteren Antisemitismus in christlichen und nichtchristlichen Ländern. Ausführlich behandelt er die immer wieder gegen die Juden erhobenen Anklagen, in einem besonderen Kapitel legt er den Mißerfolg der Emanzipation und seine bejahende Stellung zum Zionismus dar. Abschließend spricht er von der Schuld, die nach seiner Ansicht das Judentum in biblischer Zeit durch Intoleranz auf sich geladen bat, und von der aus andere Gemeinschaften ausstrahlenden sittlichen Kraft des heutigen Reformjudentums. Lesenswert für Vertreter aller Richtungen und auch für solche, die den Grundsatz von der religiösen Bedingtheit des Antisemitismus nicht bejahen können, ist dieses edelmenschliche Werk eines österreichischen Aristokraten, Katholiken und Diplomaten, der beim Beginn seiner Arbeit Antisemit war und während der Durcharbeitung des Stoffes zu einer grundlegenden Aenderung seiner Einstellung gelangte. Hilde Levi. Am 13. August beging Professor Moritz S o b e r n b e i m , Legationsrat im Auswärtigen Amt, seinen 60. Geburtstag. Anläßlich dieses Tages überreichte ihm die Gesellschaft zur Förde- >88 Kennen Sie unser B Abholungsverfahren? 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